Das Leben ist ein Gedichte

Ein bittersüßer Theaterabend über das Leben der

Frederike Kempner (1836-1904)

Für Tote haben Gelder wir
Doch um lebend´ge handelt's hier,
Ihr alle seid so schlecht als blind
Solang nicht Leichenhäuser sind!

Barbara Kratz

in Köln geboren und dort zur Schauspielschule gegangen, war sie nach Engagements in Wuppertal und am Jungen Theater Essen seit 1991 bei der bremer shakespeare company engagiert.

Zuletzt spielte sie unter anderem die Lavinia in ,,Titus Andronicus",
die Rosalinde in ,,Wie es Euch gefällt",
die Helena in ,,Ein Sommernachtstraum" und
die Portia in ,,Der Kaufmann von Venedig".

,,Der schlesische Schwan", war Zeit ihres Lebens heiß entbrannt für die Dichtkunst.

Die Poesie, die Poesie, Die Poesie hat immer recht!

schrieb sie im Überschwang des Gefühls.

,,Schlechte Gedichte müssen schon außerordentlich gut sein, um außerordentlich komisch zu sein", versuchte der Dramatiker Peter Hacks dem Phänomen Friederike Kempner auf die Schliche zu kommen. In der Tat sind ihre Gedichte voll schiefer und falscher Bilder, und auch die Grammatik wird zugunsten des Versmaßes bisweilen sehr unkonventionell gehandhabt. Wenn's sein muss: arg verbogen. Geradezu rührend dagegen der tiefe Ernst, mit dem die Kempner ihre Werk guten Zwecken widmet. Sie kämpft für Leichenhäuser, beschwört die Qualen des lebendig Begrabenwerdens (und muss dafür Häme und Verleumdung ertragen). sie liebt die Vögelein, die Blümelein, die Röselein vor allem, doch geradeheraus innig wie sie ist, verkündet sie der Welt auch schon mal, was sie nicht mag:

Fräulein Friederike Kempner (1836-1904)

Gehabt Euch wohl,
Gott segne Euch,
Euch alle im Sonnenlicht,
Dich Vöglein, Röslein, Immergrün,
Die Dornen und - die Würmer -
nicht!

1836 wird sie als Tochter eines Gutsbesitzers in Posen geboren. Schon mit 19 Jahren, engagiert sie sich in der Frage des scheintot Begrabenwerdens. Sie schreibt eine wissenschaftliche Abhandlung über dieses in ihrer Zeit vieldiskutierte Thema und erreicht durch Eingaben, Briefe und flammende Gedichte an gekrönte Häupter Europas, dass schließlich Leichenhäuser gebaut und Totenprüfungen durchgeführt wurden.

Sie hat Novellen, Dramen und viele Gedichte geschrieben. Die acht Auflagen ihrer gesammelten Gedichtbände waren sofort vergriffen. Friederikes Bruder David, Gutsbesitzer und Autor einiger Novellen, kaufte die gesamte Auflage auf und ließ sie einstampfen. An diesem seinem ästhetischen Schamgefühl ging er schließlich wirtschaftlich zugrunde. Die wenigen Exemplare, die dann in den Handel kamen, waren heiß begehrt. Man schrieb sie ab, lernte sie auswendig, gab sie auf Gesellschaften zum besten und lachte sich tot.

1904 stirbt Friederike Kempner nach erfülltem Leben und in festem Glauben an ihre Unsterblichkeit.

Am 23.11.2001 liess im Kunstspeicher Barbara Kratz die Kemper, den "schlesischen Schwan", quer durch ihr Werk leben und lieben, singen und tanzen.

Es war ein wundervoller Abend, voller komödiantischer Schauspielkunst. Dies blieb natürlich auch der heimischen Presse nicht verborgen: