Künstler boten Feuerwerk aus Musik

Charlotte Balzereit und Pirmin Grehl im Speicher

Ibbenbürener Volkszeitung vom 30.04.2001 Sunhild Salaschek

Ein musikalisches Feuerwerk, eine Augen- und Ohrenweide... Die Liste der Lobeshymnen nach dem Konzert im Kunstspeicher am Freitagabend ließe sich noch lange weiter führen. So viel Begeisterung findet sich selten bei einem klassischen Publikum, schon gar, wenn überwiegend Werke des 20. Jahrhunderts auf dem Programm stehen.

Der Förderverein Mettinger Schultenhof hatte mit Charlotte Balzereit, Harfe, und Pirmin Grehl, Flöte, zwei charmante junge Künstler engagiert, deren technisches Können ebenso überzeugend war, wie ihre Aussagekraft. Mit der Sonate g-moll BWV 1020 von Johann Sebastian Bach wählten die Künstler zum Einstieg eine beliebte und häufig gespielte Komposition. Die Bearbeitung dieses Werkes für Harfe und Flöte zeigte interpretatorische Individualität mit eigenen Schwerpunkten.

Bach hatte die Sonate ursprünglich für Flöte, obligates Cembalo und Violoncello geschrieben. Sie gilt als Schulbeispiel für die Überwindung der Generalbasspraxis und zählt somit zu den ,,modernen" Kompositionen Bachs. Der äußeren Form nach handelt es sich zwar um eine Triosonate, aber die Cellostimme hat keinerlei Eigenstimmigkeit, sondern verstärkt nur die Bassstimme. Hingegen ist das Cembalo weitgehend. von seiner Rolle als Begleiter befreit und wird zum gleichberechtigten Partner. Die Übertragung der Begleitstimme vom Tasten- auf das Saiteninstrument wirkte sowohl im Zusammenklang wie in den farbenreichen Nuancierungen der Solostellen außerordentlich überzeugend.

Mit einer temperamentvoll gespielten Sonate für Flöte solo von Carl Philipp Emmanuel Bach, in der markante. Spielführung mit weichen Bindungen wechselte, spielte Grehl bereits in virtuoser Form.

Mindestens ebenso glänzend präsentierte sich Balzereit in ihrem Solostück von Benjamin Britten. Das Zentrum dieses Stückes bildete eine Nocturne, in der man zu hören meinte, wie tiefe Nachtempfindungen ausklingen und die Dunkelheit allmählich ersten Lichtstrahlen weicht.

Noch mitreißender falls überhaupt möglich - war das gemeinsame Musizieren der beiden. Nach der fantastischen Einstimmung nahmen Balzereit und Grehl die Hörer mit auf eine Reise durch die reichhaltige Gefühlswelt der Kammermusik des 20. Jahrhunderts. Da ging es kräftig schwungvoll zu, dann wieder elegisch getragen. Besinnlichkeit wechselte mit Unbeschwertheit. In allen Stücken (von Harald Genzmer, Jean-Michel Damase und Franz Doppler) überwogen lebensbejahende, Elemente, die die Künstler mal majestätisch, stets aber konzentriert und lebendig vortrugen. Das begeisterte Publikum erklatschte sich nicht nur eine Zugabe von Jacques Ibert, sondern es entließ die Musiker erst nachdem sie den Bogen wieder zurück zum Barock geschlossen hatten.