Goethe - ein Dichter zum Anfassen

WN vom 18.02.2002

Ungewöhnliche Lesung im Kunstspeicher

-kek- Mettingen. Zur Lesung "Goethe einmal ganz anders" hatten am Freitagabend der Freundeskreis Düsseldorfer Buch und der Förderverein Schultenhof eingeladen. Im anheimelnd rustikalen Fachwerk-Ambiente des Kunstspeichers und bei Kerzenlicht versuchten Professor Hans Jürgen Scorna sowie sechs Autorinnen und Autoren eine ungewöhnliche Annäherung an den wohl "bedeutendsten Repräsentanten der deutschen Kultur".

Mit fast 100 Besuchern war der Kunstspeicher des Schultenhofes gut gefüllt, was Peter Hillenkamp in seiner Einführung in den Abend zu der Bemerkung "Wir hätten nicht gedacht, dass der alte Goethe noch so viele Leute mobilisiert" verleitete.

An diesem Abend sollte viel gelacht werden. Und vor allem sollte nicht mit einer "Lesestunde", sondern mit "Unterhaltung" an den "alten Herrn", wie Hillenkamp sagte, erinnert werden.

Professor Hans-Jürgen Scorna sagte in seiner Hinführung auf das noch Kommende: "Goethes Werke sind wie schöne Statuen, sie sind ein Reichtum in der Bildungswerkstatt". Mit "Goethe mal ganz anders"‚ wolle man zeigen, dass auch Goethe "ein Dichter zum Anfassen" ist. Trotzdem verstehe jeder Goethe unterschiedlich. Jeder setze sich seine eigenen Maßstäbe, und der Verstehensansatz sei bei jedem unterschiedlich.

So auch am Freitag, als des Dichters Werke nicht bloß rezitiert, sondern auch analysiert wurden. Dass Goethes Werke auch zu eigenen Arbeiten inspirieren können, bewiesen die Autoren, indem sie sich unter anderem mit fiktiven Gesprächen dem Dichter näherten.

Zwischen Goethe-Zitaten und Auszügen aus Briefwechseln gedachten Akteure und Publik um auch in der Pause des Herrn Geheimrates. Mit Biersuppe, einer erklärten Lieblingsspeise des Poeten, Wein und Käsestangen aus Weimar.

Musikalisch gestaltet wurde das ungewöhnliche Literaturprojekt im Kunstspeicher von Birgit Hergemöller am Piano und Wolfgang Donnermeyer an der Violine. Das Musikerduo spielte Werke aus dem 16. und 17. Jahrhundert.