Pressereaktionen

Ibbenbürner Volkszeitung vom 22.06.2004

Fotograf mit Stilgefühl

METTINGEN.

Draußen wurde noch geschossen, als der interessierte Besucher am Freitagabend den Speicher im Mettinger Schultenhof betrat. Trotz mehrerer Schützenfeste und trotz der Fußball-EM fanden viele den Weg zum Mettinger Schultenhof, um die Eröffnung der Ausstellung des Mettingers Karl-Heinz Käller mitzuerleben. Unter dem Titel "Querschnitte" präsentiert Käller, der seit gut 20 Jahren fotografiert und sich als Reisefotograf und durch verschiedene Lichtbildvorträge einen Namen gemacht hat, Fotos aus den vergangenen zehn Jahren, die eine große Palette von Motiven umfassen und die Vielseitigkeit des Fotografen unterstreichen.

Wie Bernhard Kötter vom Förderverein in seiner Eröffnungsansprache erklärte, sieht der Fotograf die Welt aus einer bestimmten Perspektive, mit dem Auge der Kamera. Und so nimmt er Dinge wahr, die dem gewöhnlichen Betrachter entgehen, denn er sieht das Detail. Käller, so Kötter, sei so ein Fotokünstler, was ein Bild von Spinnweben an einer Friedhofstür (in der Ausstellung zu sehen) besonders gut zeige.

Bartholomeus Vrijdaghs, der als Vertreter des Mettinger Fotoclubs die Bilder Källers erläuterte, würdigte den Fotografen, der über die Grenzen Mettingens hinaus bekannt sei, als "ernsthaften Amateurfotografen", dessen "Blick auf die Welt nicht unfreundlich, aber kritisch" ist. Was ihn zu einem besonderen Fotografen mache, seien "Stilgefühl und Respekt vor dem Objekt" und die "unabdingbare Beherrschung des Werkzeugs Kamera". Darüber hinaus zeichne den Künstler Käller ein weiteres Merkmal des guten Fotografen aus, nämlich die kritische Haltung gegenüber den eigenen Bildern. 90 Prozent der Aufnahmen wanderten bei kritischer Begutachtung in den Papierkorb, und von den restlichen zehn Prozent blieben am Ende auch nur wenige übrig, die dann den Weg in die Öffentlichkeit fänden. Die Vorbereitung einer Ausstellung bedeute für den Fotografen so gesehen harte Arbeit. Doch Käller habe Freude an seiner Arbeit, wie man den Bildern ansehen könne.

Eine Gruppe der überwiegend farbigen Fotos zeigt Nahaufnahmen von Bäumen und von Blumen (zum Beispiel Magnolien- und Rosenblüten oder eine knospende Mohnblume), auf denen jedes Detail zu erkennen ist. Passend zu diesen Motiven befindet sich daneben das Foto einer Libelle, für das Käller morgens um fünf Uhr aufstehen und etwa drei Stunden Zeit investieren musste.

Eine zweite Gruppe bezeichnet Käller selbst als "stille Landschaften". Auf diesen Fotos sind weite Felder und Äcker zu sehen, zwischen denen sich Wege oder Zäune in der Ferne verlieren. Sie vermitteln den Eindruck von Ruhe und Rückzug in eine ungestörte Umgebung.

Bilder von Gebäuden in Italien und auf Kreta, in denen wiederum Wege und Gänge oder Menschen im Mittelpunkt stehen, bilden eine weitere Gruppe. Eines davon ist das Bild eines ehemaligen Stalles für Esel in Brisighella (Italien), das zu einem Seniorenheim umgebaut wurde. Das besondere mediterrane Licht erzeugt dabei eine einzigartige Atmosphäre auf dem "Eselsweg", der sich im ersten Stock des Gebäudes befindet und sich in Wellen über den tragenden Balken wölbt und von dem die Eingänge zu den ehemaligen Eselsboxen (heute Wohnungen) abzweigen. Die Aufnahmen von Menschen und insbesondere von ihren Gesichtern animieren den Betrachter zu weiteren Überlegungen zu deren möglichen Gedanken und Lebensumständen.

Insgesamt bietet die Ausstellung für (Hobby-)Fotografen und Kunstinteressierte eine besondere Gelegenheit, sich mit unterschiedlichen Sichtweisen und Aufnahmetechniken und den Möglichkeiten der Fotografie auseinander zu setzen. Die ausgesuchte thematische und räumliche Anordnung der Bilder im Speicher (zum Beispiel von arbeitenden Düsentriebwerken in der obersten Etage) unterstreicht zusätzlich ihre Wirkung. Die Besucher der Vernissage zeigten sich von den Bildern beeindruckt und so verspricht die Ausstellung auch weiterhin ein voller Erfolg zu werden. Marianne Laun