Lieder- und Opernabend


Opernkünstler aus Berlin

Lieder von

F. Schubert, R. Schumann
E.-W. Korngold, R. Strauss, G. Faure
und Opernarien
19. März 2004, 20,00 Uhr

NOZ vom 22.03.2004


IVZ vom 22.03.2004

Nicht Anwesende haben viel verpasst

Ausflug in die wen der klassischen Lieder und der Oper

METTINGEN

Oper? - Viel zu ernst! Klassische Musik? - Langweilig! Im Schultenhof? - Nicht der richtige Ort! Sollten diese und ähnliche Überlegungen und etwaige Zweifel an dem Versprechen eines „außergewöhnlichen Musikerlebnisses" vielleicht manche davon abgehalten haben, dieses Konzert zu besuchen, so sei jenen gesagt, dass sie wirklich etwas Außerordentliches verpasst haben!

Dem Förderverein Schultenhof war es gelungen, mit der Mezzosopranistin Susanne Kreusch (Komische Oper Berlin) und dem australischen Pianisten Graham Cox (Deutsche Oper Berlin) zwei international bekannte Künstler für ein Gastspiel nach Mettingen zu holen. Kreusch und Cox boten ein Programm mit vielen Facetten und enttäuschten die Erwartungen ihrer Zuhörer nicht.

Den Anfang machte Kreusch mit zumeist bekannten Liedern von Franz Schubert (1797-1828), wie etwa dem von der launischen Forelle (op. 32), dem ungeduldigen Verliebten (op. 25 Nr. 7), dem fröhlichen Wandergesellen (op. 25 Nr. 2) oder dem Wiegenlied (op. 98 Nr. 2). Dabei gestaltete sie mit ihrem warmen Mezzo die Lieder nach Bedarf dramatisch-intensiv oder feinzerbrechlich und fesselte damit das Publikum von Anfang an. Ihre Artikulation war klar und ließ keine Wünsche offen. Graham Cox, der die lebendige und sensible Darbietung einfühlsam und filigran am Bettich­Flügel begleitete, war ihr mit seinem vorzüglichen und nuancenreichen Spiel ein ebenbürtiger Partner.

Nach den Liedern Schuberts folgten etwas weniger bekannte des französischen Komponisten Gabriel Faure (1845-1924). Seine Musik, wie zum Beispiel die von Kreusch in französischer Sprache gesungenen „Trois poemes d'un jour" (op. 21) oder „Les berceaux" (op. 23 Nr. 1), zeigt bei deutlich klassizistischen Tendenzen eine lyrisch fließende, geschmeidige Harmonik. Auch hier bewies Kreusch ihre hohe sängerische Qualität. Große Intervallsprünge bereiteten ihr keine Mühe, in hohen Tonlagen erklang ihre Stimme genauso voll und klar wie in tiefen. Und nie unterlag sie dem manchmal geradezu furiosen Klavierspiel Cox'.

Ganz andere Töne erklangen mit den 1924 komponierten Liedern Erich Wolfgang Korngolds (1897-1957), eines in Brünn (ehemals Österreich) geborenen Komponisten, der vor dem Zweiten Weltkrieg in Österreich und Deutschland sehr bekannt und beliebt war, aber heute fast ganz in Vergessenheit geraten ist. Die drei Lieder (op. 18) des damals Siebenundzwanzigjährigen sind seltsam verstörende Gesänge voll spröder Dissonanz.

Obwohl sie sicherlich nicht zur Sorte eingängiger Musik gehören und vom Zuhörer verlangen, dass er sich ganz auf sie einlässt, gelang es Kreusch und Cox, der die Darbietung der Sängerin hervorragend am Flügel grundierte, auch hier das Publikum zu interessieren und mitzunehmen.

Mit Liedern von Richard Strauss (1864-1949) setzten die beiden Künstler ihr Programm fort. Beim letzten Lied von Strauss („Nichts" op. 10 Nr. 2) bewies sie zudem mit zum Liedtext passender ausdrucksstarker Mimik und Gestik ein beeindruckendes schauspielerisches Talent und entlockte dem Publikum ein Schmunzeln.

Zum Abschluss des musikalischen Abends folgte die Arie der Jeanne („Adieu forets") aus der bekannten Oper „Die Jungfrau von Orleans" von Pjotr I. Tschaikowsky. Mit dieser Arie bewies Kreusch endgültig ihre hervorragenden gesanglichen Qualitäten. Ihre starke und flexible Stimme, überwältigend voluminöse Töne und die atmosphärische Intensität der Darstellung erzeugten beim Zuhörer eine Gänsehaut.

Das Publikum entließ die beiden Künstler, denen es gelungen war neben bekannten Stücken weniger Bekanntes und auch Sperriges in geglückter Weise darzubieten, nur nach einer Zugabe.

Marianne Laun