Pressereaktionen

Ibbenbürner Volkszeitung vom 10.05.2004

Mischung wie eine Wundertüte

METTINGEN

Es ist wirklich eine Wundertüte geworden, was jetzt über einen Monat lang als "Mettinger Hängung" im Kunstspeicher zu besichtigen ist. Mettinger Bürger stellen Bilder aus, die sonst in ihrer Wohnung an exponierter Stelle oder eher verschämt im Dunkel zu finden sind. Einzige Bedingung: Originale mussten es sein. Am Samstag war Ausstellungseröffnung. In unserer gestrigen Ausgabe war versehentlich ein falscher Text zu diesem Ereignis erschienen.

Weit mehr Bilder als erwartet wurden dem Kulturverein und dem Förderverein Mettinger Schultenhof, die gemeinsam das Wagnis einer solchen Kunstausstellung eingegangen waren, bis in den späten Samstagnachmittag gebracht und, wie sie kamen und Platz fanden, an den Wänden beider Stockwerke des Speichers verteilt. Keine Zeit und auch nicht die Absicht zu künstlerischer Bewertung oder thematischer oder sonstiger Ordnung. Und so hängt die liebenswerte Arbeit des heimischen Hobbykünstlers neben dem Werk eines weltbekannten Malers und dem grotesk dürftigen Gemälde eigener oder fremder Produktion, das an der Realität klebende Bild neben dem abstrakten, die Miniatur neben dem großen Format.

Dass die ganz bedeutenden Schätze nicht dabei sind, ist schon aus Versicherungsgründen klar. Aber auch der berüchtigte "röhrende Hirsch" ist nicht zu finden. Die engere und weitere Heimat nimmt trotzdem einen breiten Raum ein: Die Portraits von "Oma" und "Opa", Mettinger Ansichten auf verschiedenem Anspruchsniveau, deutsche und fernere Urlaubsgegenden, sogar exotische Landschaften, in vielen Techniken und Ausdrucksweisen auf Papier oder Leinwand gebracht.

Als Originalarbeiten wurden auch handgefertigte Kopien akzeptiert, und vor allem da findet sich eine unglaubliche Spannweite. So wird der Übergang von der Kunstausstellung zum sozialen Gemeindeereignis fließend. Denn die Bilder hängen dort nicht anonym. Künstler und Einlieferer sind bei jedem Werk verzeichnet. Also wurde schon bei der natürlich stark besuchten Eröffnung am Samstagabend munter gespöttelt über Selbstgemaltes, Geerbtes oder Gekauftes.

Aber es wurde auch geredet über die Geschichten, die mit den Bildern verbunden sind, über persönliche Beziehungen dazu oder Erinnerungen an frühere Besitzer. Das macht sicher das Besondere dieser eigentlich unglücklich als "Hängung" bezeichneten Schau aus im Verhältnis zur Ideengeberin, der "Petersburger Hängung". Hier offenbart man Persönliches und steht zu seinem Geschmack oder seiner Zuneigung zu Personen, Orten und Stilen. Daraus kann und sollte sich manches Gespräch entwickeln.

Und da sich nicht nur die bekannten Kunstinteressierten hier beteiligt haben, sondern einfach Einwohner Mettingens, ergeben sich vielleicht überraschende Kontakte und Gesichtsfelderweiterungen, die das Leben der Gemeinde bereichern können. Denn Mut haben nicht nur die Ausstellungsmacher bewiesen, sondern mehr noch die Aussteller. So sollte der Besucher, auch der ortsfremde, nicht nur die Rosinen herauspicken oder über Schwachstellen lästern, sondern die Spannung des bunten Nebeneinanders wirken lassen.

Wilm Froese