Pressereaktionen

Ibbenbürner Volkszeitung vom 14.06.2004

Bunt "tapezierter" Kunstspeicher fand bei vielen großen Anklang

METTINGEN.

Zur "Plünderung" gaben die Vorsitzenden des Fördervereins Mettinger Schultenhof, Barbara Brüning, und des Kulturvereins Mettingen, Maria Luise König, den Kunstspeicher am Sonntagvormittag frei. Fünf Wochen lang waren dort die Originale, die normalerweise in Mettinger Häusern hängen, als "Mettinger Hängung" ausgestellt.

Die Gemeinschaftsaktion unter dem Dach des Kulturforums war ein voller Erfolg, betonte Barbara Brüning, die Besucherzahlen seien überdurchschnittlich hoch gewesen. "Vielleicht haben wir damit das Ziel erreicht, den Mettinger Bürgern den Kunstspeicher näher zu bringen", hoffte sie am Tag der Finissage. Am Sonntag hängten bereits zahlreiche Besitzer ihre Gemälde ab und nahmen sie wieder mit nach Hause, die restlichen Werke wurden am Montagabend abgeholt.

Was sich die vielen Besucher zu den Bildern gedacht haben, haben die meisten für sich behalten. Hinter einigen Gemälden stecken jedoch Geschichten, die für ihre Besitzer eine besondere Bedeutung haben.

Veronika und Norbert Bendick hatten zwei Bilder an den Kunstspeicher "ausgeliehen". Eins davon - ein Ausschnitt aus einem Badezimmer - hat für sie einen großen Erinnerungswert. "Es ist unser erster Eindruck von New York", erklärt das Ehepaar. Vor fünf Jahren bereisten die beiden gemeinsam mit der Schwester von Veronika Bendick die Stadt. Ein Loft war in Greenwich Village "blind" gemietet worden. Es entpuppte sich als extrem alte Unterkunft, im Hinterhof einer Fleischfabrik gelegen, laut, nicht ganz sauber, "mitten im prallen Leben", erinnern sich die Bendicks. "Wenn man auf der Toilette saß, stand man mit dem rechten Fuß auf den über Putz verlegten Gas- und Wasserleitungen", beschreibt Norbert Bendick den Zustand des Gebäudes. Für Maria Landwehr, die Schwester und Schwägerin, war es der Beginn ihrer Laufbahn als Malerin. "Dieses Bild ist eines der ersten einer New Yorker Serie", erklärt Veronika Bendick. Und ein Geschenk an das Ehepaar Bendick.

Eine Erinnerung an eine Zeit, die er selber gar nicht erlebt hat, verbindet Albert Knosmann mit einem Gemälde, das sein Elternhaus an der Bergstraße zeigt. Der Maler Anton Bauroth war nach dem Zweiten Weltkrieg auf der Durchreise mehrere Tage zu Gast im Hause Knosmann. Gegen Kost, Logis und Lebensmittel, die ihm seine Eltern mit auf Weg gegeben haben, habe Bauroth ihnen zwei Bilder gemalt, so erzählt Knosmann den Hintergrund, den ihm seine Eltern, aber auch ein Nachbar berichtet haben. Ein Tauschgeschäft seien die beiden Gemälde gewesen, die noch heute ihren Platz im Hause haben.

Den Mettingern einmal zeigen, dass "ich auch ganz normal malen kann", wollte Eduard Berms-Batas, der seit 25 Jahren als freischaffender Künstler arbeitet. "Der Raucher" - das Original stammt von dem niederländischen Maler Adrian Brouwer - sei eine Kopie, die er im Jahre 1948 während seines Studiums der Architektur und der Malerei habe anfertigen müssen. Im Moment beschäftigt sich der Künstler intensiv mit afrikanischen Zeichen und Symbolen, die in seine aktuellen Arbeiten einfließen. So unterschiedlich wie die Maler, die Bilder und die Menschen, die sie besitzen, sind auch die Geschichten, die sie verbinden.

So bunt "tapeziert" war auch der Kunstspeicher in den vergangenen Wochen. Ein Experiment des Fördervereins und des Kulturvereins, das in der Bevölkerung großen Anklang gefunden hat.

Dietlind Ellerich