Pressereaktionen

Ibbenbürner Volkszeitung vom 20.05.2004

Kopie und Fälschung auf der Spur

-del- Mettingen.

"Dieses Bild da drüben, das mit den bunten Blumen in der Vase, das kann meine Mutter ganz genauso malen", ist die Elfjährige überzeugt. Eine Klassenkameradin meint, das gleiche Bild schon einmal bei ihrer Oma gesehen zu haben. Das Gemälde an der Wand des Kunstspeichers ist zwar weder von der Mutter des Mädchens gemalt, noch gehört es der Oma der Klassenkameradin, könnte aber durchaus in deren Wohnzimmer hängen.

Kunst einmal anders unterrichtete Barbara Brüning, Lehrerin an der Paul-Gerhardt-Grundschule, gestern in ihrer vierten Klasse. Nach der großen Pause machten sich die Mädchen und Jungen auf den Weg zum Kunstspeicher. Von der aktuellen Ausstellung des Kulturforums, der "Mettinger Hängung", hatten manche wohl schon etwas gehört, was sie dort genau erwartete, wussten die meisten von ihnen jedoch nicht.

Neugierig streifen sie durch das Gebäude, unterhalten sich flüsternd über die Gemälde, die normalerweise in Mettinger Haushalten und hier im Speicher nur wenige Wochen Rahmen an Rahmen hängen.

"Müssen wir diese Bilder malen?", fragt ein Mädchen nach diesem ersten Rundgang. Schließlich haben sie Papier und Stifte mitgebracht, die auch zum Einsatz kommen sollen.

Doch zunächst erzählt Barbara Brüning ihnen etwas über den Hintergrund der Ausstellung, dass die Veranstalter mit der "St. Petersburger Hängung" ein berühmtes Vorbild hatten, dass die Originalbilder in der Reihenfolge aufgehängt worden sind, in der die Eigentümer sie gebracht haben, und vieles mehr.

Ganz bei der Sache sind die Zehn- und Elfjährigen und tragen auch selbstbewusst ihre eigenen Eindrücke vor. Aufzupassen und genau zu beobachten ist auch sinnvoll, denn anschließend müssen noch ein paar Fragen beantwortet werden. "Auf welchen Bildern ist Mettingen dargestellt?" ist eine der einfacheren Fragen. Bilder zu finden, in denen bedrucktes Papier verwendet wird, ist schon schwieriger, da muss man genauer hinsehen.

"Welches Bild würdet Ihr kaufen, wenn Geld und Platz keine Rolle spielten?", lautet die Frage nach dem Lieblingsbild der Kinder. "Ich mag das Bild mit den Vögeln besonders gern", "Mir gefällt das große Bild oben auf der Galerie besonders gut, weil es so schön bunt ist" oder "Ich finde die Zeichnung mit dem Politiker toll" - die Antworten sind so unterschiedlich wie die Kinder selbst.

Was ein Passepartout ist, was ein Stillleben darstellt und den Unterschied zwischen der Kopie und der Fälschung eines Gemäldes lernen die Viertklässler noch ganz nebenbei kennen. "Wir müssen noch ganz viel besprechen", sagt Barbara Brüning nach einem Blick auf die Uhr. Leider ist die Kunststunde zu Ende, zum Malen sind die Mädchen und Jungen noch nicht gekommen. "Wir kommen nächste Woche noch einmal wieder", verspricht Brüning ihren Schülern. Dann darf jedes Kind sein Lieblingsbild aufs Papier bringen.