Pressereaktionen

Neue Osnabrücker Zeitung vom 14.06.2004

Kunstspeicher: Zur Plünderung freigegeben

Finissage der Mettinger Hängung
Kulturforum zufrieden

Mettingen (pf)

Die Mettinger Hängung ist vorbei. Veronika und Norbert Bendick haben ihr Schmuckstück wieder, das sie um keinen Preis missen möchten. Zum einen ist es eines der ersten Werke von Maria Landwehr, der Schwester Veronika Bendicks. Vor allem aber ist es eine Erinnerung an den New York Tripp vor fünf Jahren: die rustikale Umgebung in Greenwich Village, die über Bekannte von Bekannten gemietete Wohnung mit ihren kleinen Schönheitsfehlern, das Badezimmer mit Putzmittelflaschen und hölzernem Toilettensitz, alles in Popart festgehalten.

Die Bendicks erinnern sich noch gut an die zehn Tage in der Metropole der USA. Was bedeuten die Mängel der Unterkunft im Vergleich zu den aufregenden Eindrücken in New York? "Abseits der eingetreten Wege", wie Norbert Bendick betont. Maria Landwehr hielt das "New Yorker Badezimmer" malerisch fest und schenkte es Schwester und Schwager als Dankeschön für unvergessliche Tage. "Wir haben alles noch genau vor Augen," erzählen die Bendicks. "Im Bad sah es genauso aus, wie auf diesem Bild. Die Leitungen verliefen über dem Putz. Auf der Toilette hatte man Wasser- und Gasleitung unter dem rechten Fuß, man konnte also wirklich Gas geben," gibt Norbert Bendick lachend Einzelheiten preis. Interessant: dieses Bild gehört zu den Erstlingswerken Maria Landwehrs, die sich –heute in Düsseldorf lebend- mittlerweile als Künstlerin einen Namen gemacht hat.

Albert Knosmann hat ebenfalls ein Bild unter dem Arm. Es zeigt sein Elternhaus an der Mettinger Bergstraße, so, wie es 1946 von einem "Wandermaler" in Öl fest gehalten wurde. "Meine Eltern haben mir oft die Geschichte dieses Bildes erzählt. Der Maler, Anton Bauroth, kam aus dem Ruhrgebiet, und wie alle Städter waren auch bei ihm die Lebensmittel nach dem Krieg knapp. So wohnte er ein oder zwei Wochen bei uns, malte das Bild und erhielt als Gegenleistung eine Seite Speck. Leinwand gab es damals nicht, er improvisierte und verwendete einen Mehlsack," berichtet der Mettinger.

Mit ein bisschen Wehmut, vor allem aber stolz über die enorme Anzahl der Besucher der Mettinger Hängung, gab Fördervereinsvorsitzende Barbara Brüning Sonntag anläßlich der Finissage den Speicher zur "Plünderung frei". Auch Maria Luise König vom Kulturverein war rundum zufrieden mit diesem Projekt des Kulturforums. Für die Zukunft hat sie interessante Pläne, bei denen Mettinger Künstler im Mittelpunkt des Geschehens stehen sollen. Man darf also weiterhin gespannt sein.