Pressereaktionen

Ibbenbürener Volkszeitung vom 17.05.2004

Klezmer brachte Gebildete und andere in Schwung

METTINGEN

Weltmännisch betrat die Berliner Gruppe "Di grine Kuzine" die Bühne und fegte die Zurückhaltung der 80 bis 90 Besucher sogleich vom Tisch: "Wir werden diese wunderschöne alte Scheune in einen brodelnden Party-Tempel verwandeln. Jetzt ist es hier zwar recht kühl, aber Ihnen wird schon heiß werden, und Sie werden auf den Tischen tanzen. Nicht jetzt, aber wenn Sie etwas getrunken haben - später." Und genauso kam es.

Der Förderverein Mettinger Schultenhof hatte zum Scheunenfest geladen. Mit der Band "Di grine Kuzine" stand ein Ensemble auf der Bühne, das genau die passende Mischung von Konzert- und Tanzmusik servierte. In springlebendigen Arrangements wurde "Klezmer und mehr" geboten. "Mehr" - das waren vor allem osteuropäische Lieder, Volksmusik, aufgepeppt mit modernen Elementen, Pop, Latin, Klassik und natürlich auch durch und durch Eigenständiges.

Von Anfang an recht angetan, stand das Publikum zunächst noch etwas steif an den hohen Bartischen. Nach einem Weilchen wagten ein paar Beherzte eine zaghafte Polonaise - und nach der Pause ging es dann so richtig zur Sache. Eine Stunde früher hätte man den anwesenden Westfalen im mittleren Alter von vielleicht 38 bis 58 Jahren bestimmt nicht soviel Temperament zugetraut.

Zwar wurde letztendlich nur auf der Tanzfläche getanzt, aber das lag nur an der unerreichbaren Höhe der Steh-Tische.

Auch die wenigen, die sich ein Sitzplätzchen gesucht hatten, ließen sich von der vibrierenden Musik durchdringen. So war der "Mäusezirkus", ein großes Schlagzeugsolo von Snorre Schwarz, ein ganz besonderes Erlebnis. Aber auch die anderen Herren (Karel Komnatoff, Trompete und Flügelhorn, Steve R. Lukanky, Tuba sowie Max Hacker, Klarinette) verbreiteten ungebremste Energie. So richtig zu Herzen ging den Hörern die Stimme von Alexandra Dimitroff, die auch optisch mit dem Akkordeon viel Schwung verbreite.

Trotz der Last des Instrumentes deutete sie sogar einen Twist an, da konnte man einfach nicht widerstehen. Das I-Tüpfelchen waren dann noch ihre flotten mit Fremdwörtern gespickten Sprüche für die Leute, die nicht glücklich sind, wenn sie nichts dazu lernen können. Während sich die Schatten der Gruppe giftig grün und rot auf der weißen Wand tummelten, verteilte das Ensemble ein musikalisches Bonbon nach dem anderen. Prickelnd ging es zu wie bei "Pfeffermiz - Mentha peperita". Solche Songs verstanden auch die "Gebildeten". Sundhild Salaschek