Anna von Glasow

Landschaften und Impressionen

Malerei

Der für eine Malerin untypische Weg von Anna von Glasow zeigt im Rückblick eine Kulmination ihres künstlerischen Werdeganges, der schon früh, aber ganz anders begann. Bei dem späten Beginn mit der Malerei ist ihr Vorteil die Reife, die hohe Arbeitsdisziplin und die absolute Ehrlichkeit gegenüber ihren Bildern. Sie lässt nur zu, was vor ihrem kritischen Auge und ihrem Gefühl Bestand hat. Als Landschaftsmalerin lebt Anna von Glasow mit den verschiedenen Strömungen von Idylle und Konflikt.

Das Bild der Landschaft wird in dem Augenblick wesentlich, wenn der Betrachter sich als Individuum dem natürlichen Lebensraum entfremdet, wenn Natur verfügbar und zugleich in abstrakte Begrifflichkeit verwandelt wird. In der Deutung Cezanne's ergibt sich eine „in die Zukunft scheinende Qualität" erst dadurch, dass das landschaftliche Motiv in der Struktur des Bildes radikal gebrochen wird.

Anna von Glasow fängt in ihren Bildern die Stimmung des Momentes der Impressionisten ein, und sie gibt ihnen Form mit der emotionellen Freiheit und der Kraft der Expressionisten. Aber letztlich gestaltet sie aus der eigenen Tiefe ihrer Persönlichkeit mit den eigenen unverwechselbaren Möglichkeiten ihrer Mentalität.

Anna von Glasow hat einen kräftigen rhythmischen Pinselstrich, malt überwiegend auf großen Formaten voller Intensität und Energie, aber zugleich mit einer überraschenden Weichheit. Männliches und Weibliches fließen ineinander. Für alle Arbeiten - die wilde See, das Lupinenfeld, der Waldboden, der Blick über das Haff - verwendet sie die aus Pigmenten selbsthergestellten Eitemperafarben, jene bis ins 15. Jahrhundert fast ausschließlich von Künstlern verwendete Technik, die einen matten Glanz und zugleich eine intensive gesättigte Tiefe verstrahlen.

So verbinden sich Gegenwart und Tradition.

Renate van der Hoeven-Reimann

Auszug aus ihrer Werkeinführung anlässlich einer Ausstellungseröffnur im Mai zoo3