Ausprobieren, was an die vier Wände passt

METTINGEN, 18.11.2005

Leihen Sie mich!" oder auf Niederländisch "Leen mij!", fordern ab heute Abend etwa 50 Kunstwerke im Speicher auf dem Schultenhof auf.

In den Niederlanden sei es ganz üblich, sich Kunst auszuleihen, um sie sich zu Hause an die Wand zu hängen oder im eigenen Haus aufzustellen, erklärt Barbara Brüning, Vorsitzende des Fördervereins Mettinger Schultenhof. Grund genug für die Kunstfreunde, mit acht Frauen und Männern nach Amsterdam zu fahren, sich in einem Kunstleihhaus umzuschauen und ein paar Dutzend Werke auszuleihen.

Eine schwierige Aufgabe sei es gewesen, aus der Unmenge von Bildern, die nach Namen der Künstler - übrigens alle niederländische Maler der Moderne - sortiert in den Regalen hängen, die auszuwählen, die in Mettingen Abnehmer finden könnten. Jeder durfte sechs aussuchen, die meisten entschieden nach dem Motto "Was gefällt mir, was spricht mich an?", berichtet Barbara Brüning schmunzelnd. Vom Ergebnis können sich alle Kunstinteressierten und Leute, die noch ein Weihnachtsgeschenk suchen, überzeugen. Für jeden sei etwas dabei, sind sich die Organisatoren sicher. Von abstrakt bis gegenständlich ist alles vorhanden, große und kleine Werke, alle gerahmt. Mit der etwas anderen Ausstellung wenden sie sich an Menschen, die erst einmal völlig unverbindlich ausprobieren wollen, was am besten an die eigenen vier Wände passt.

Zwischen dem Interessenten und dem Förderverein wird ein Leihvertrag geschlossen. Fällig wird zunächst lediglich eine Leihgebühr, die je nach Wert des Bildes zwischen zehn und 25 Euro beträgt. Falls der Kunstfreund sich entschließe, das Werk zu behalten, wird die Gebühr auf den Kaufpreis angerechnet. Wer sich allerdings schon heute Abend sicher sei und keine Bedenkzeit brauche, könne auch sofort kaufen und seinen Favoriten mit nach Hause nehmen, beschreibt Barbara Brüning die verschiedenen Möglichkeiten.

Wer eine möglichst große Auswahl haben möchte, sollte am besten schon heute um 20 Uhr zur Ausstellungseröffnung kommen. Vielleicht lässt sich der eine oder andere ja schon zu einem Weihnachtsgeschenk inspirieren? Solange noch Bilder da sind, ist der Kunstspeicher bis zum 18. Dezember samstags und sonntags zwischen 15 und 18 Uhr geöffnet. Dietlind Ellerich

Freitag, 18. November 2005 | Quelle: Ibbenbürener Volkszeitung (Mettingen)


Besucher liehen erste Bilder

METTINGEN, 22.11.2005

Mit einer Ausstellung ganz ungewöhnlicher Art lockte der Förderverein Mettinger Schultenhof Kunstinteressierte in den Kunstspeicher. Was seit Freitagabend präsentiert wird, sind Bilder unterschiedlichster Art, die nur eines gemeinsam haben: Sie sind Werke moderner niederländischer Maler und Malerinnen.

Abstrakte und gegenständliche Bilder, Ölgemälde und Drucke wetteifern miteinander um die Aufmerksamkeit der Betrachter. Ausgesprochen farbenfrohe Arbeiten in leuchtendem Gelb und Rot konkurrieren mit solchen in dunklen Grün- und Brauntönen. Kleine Formate behaupten sich neben großformatigen Werken. Überaus genaue Darstellungen stehen in direktem Kontrast zu Gemälden, die eher sehr nachlässig gemalt und irgendwie unfertig wirken oder so, als ob der Künstler plötzlich ganz schnell hätte fertig werden müssen.

Die Vielfalt der Techniken, Farben und Formen entspricht ganz den unterschiedlichen Geschmäckern und Vorstellungen derer, die die Bilder für die Ausstellung ausgewählt haben. Wie Bernhard Kötter vom Förderverein Mettinger Schultenhof erläuterte, waren erst fünf und dann drei Vereinsmitglieder nach Amsterdam gefahren, wo sie die Arbeiten aussuchten.

Mit dem Ansinnen, neue Wege zu gehen und einen anderen Zugang zur Kunst zu finden, war der Förderverein nach einem Hinweis des in Mettingen für seine Skulptur "Ode an den Maler" bekannt gewordenen Maler Henk Rijzinga auf die "SBK Amsterdam" gestoßen. Diese "Stichting Beeldende Kunst" war 1955, also in den Jahren des beginnenden Wirtschaftwunders, ins Leben gerufen worden, um jungen Künstlern zu helfen.

In jenen Jahren waren die Menschen damit beschäftigt, nach den Entbehrungen der Kriegs- und Nachkriegsjahre praktische Bedürfnisse zu stillen. Man kaufte Haushaltsgegenstände und Dinge des täglichen Lebens. Für Kunst interessierte man sich nur sehr wenig. Aus dieser Situation heraus entstand die Idee, Bilder quasi zur Ansicht zu verleihen. Wer wollte, konnte sich ein Bild, das ihm gefiel, mit nach Hause nehmen und in der persönlichen Umgebung "testen". Mochte man es doch nicht recht oder passte es aus irgendwelchen Gründen nicht, konnte man es zurückbringen. Hatte man jedoch endgültig Gefallen daran gefunden, konnte man es kaufen.

Bis heute ist aus der Stiftung ein riesiges Unternehmen geworden, das eine kaum vorstellbare Anzahl von Bildern (ca. 40000) zur Auswahl anbietet. Und die angebotenen Werke sind für die moderne niederländische Kunst durchaus repräsentativ.

Diese Idee, die in den Niederlanden niemanden mehr verwundert, kam auch bei den Besuchern der Ausstellung in Mettingen gut an. In gemütlicher Atmosphäre bei Wein und Schmalzbrot ergaben sich aufgrund der mannigfaltigen Eindrücke viele angeregte Gespräche zum Thema Kunst. Dabei konnte man die etwa vierzig Bilder (allesamt Originale) eingehend betrachten und auf sich wirken lassen, was dazu führte, dass bereits am ersten Abend sieben Bilder ausgeliehen wurden. Die Ausleihmöglichkeit besteht bis zum 2. Januar 2006. Die Ausstellung ist, sofern noch Bilder zur Verfügung stehen, bis zum 18. Dezember samstags und sonntags zwischen 15 und 18 geöffnet. Marianne Laun

Dienstag, 22. November 2005 | Quelle: Ibbenbürener Volkszeitung (Mettingen)