Die Gefühlswelt des Tangos

Das Duo Giocoso begeistert die Zuhörer im Kunstspeicher

Sonntag, 17. Nov. 2019 - 14:21 Uhr
von Sunhild Salaschek

Sie nennen sich Duo Giocoso. Der Name passte gut zum heiteren Temperament der jungen Musiker Laura-Kathrin Möhlenkamp (Querflöte) und Leonard Bökenkamp (Gitarre) sowie zum spielerischen Programm.

Foto: Sunhild Salascheck

 

Das Duo Giocoso mit Laura-Kathrin Möhlenkamp (Querflöte) und Leonard Bökenkamp (Gitarre) trat im Mettinger Kunstspeicher auf. Der Name passte gut zum heiteren Temperament der jungen Musiker sowie zum spielerischen Programm des Abends.

Mit zwangloser Moderation verstärkten sie die lockere Stimmung: „Wir danken dafür, dass wir hier spielen dürfen. Es ist der beste Ort, in dem wir je aufgetreten sind“, verkündeten sie mit Augenzwinkern, das verriet, dass sie dies überall sagen.

Was aber, wenn sie es tatsächlich meinen? Der Kunstspeicher des Schultenhofs ist nämlich bekannt wegen seiner guten Akustik und einladenden Atmosphäre. Bei diesem Konzert war alles besonders stimmig. Mit frischem Spiel und heiteren Einführungen dazu bereiteten die fortgeschrittenen Musikstudenten den gut 30 Hörern doppelte Freude.

Es blieb aber nicht allein beim reinen Frohsinn. Mit drei Tangos von Astor Piazzolla schufen sie dreimal diese unvergleichliche Stimmung zwischen Sentimentalität und Distanz zu den Emotionen, zwischen Melancholie und Glücksgefühlen, die in Piazzollas Musik angelegt ist. Neben diesem bedeutenden Meister des Tangos widmet sich das Duo auch weniger bekannten Komponisten wie Michael Henkel und Johann Friedrich Franz Burgmüller. Solche immer wieder zwischen den Tangos gespielten Stücke trugen sehr zum Abwechslungsreichtum und zur Lebendigkeit des Konzerts bei.

Zunächst interpretierte das Duo aber ein kleines Stück des klassischen Komponisten Mauro Giuliani. Über wunderschönen Gitarrenakkorden schien die Flöte sich bei deutlich voneinander abgesetzten Fragen und Antworten munter mit sich selbst zu unterhalten. Und nicht nur einmal erinnerte ein kleines Motiv an die lebenslustige Melodie des Vogelfängers aus der „Zauberflöte“ von Wolfgang Amadeus Mozart. Ähnlich heiter und fast stürmisch wirkte Jacques Iberts quirliger „Entr’act“, der der Fantasie freien Lauf lässt. Ähnlich launisch ließ Möhlenkamp die Flötentöne beim 1. Satz der Sonate D-Dur von Michael Henkel perlen. Dieser fast vergessene Komponist war eingebettet in eine der beiden „Nocturnes“ von Burgmüller und in einen „Tango“ von Piazzolla.

Während die Zuhörer sich bei Burgmüller dem verträumten Miteinander von Querflöte (ursprünglich Cello) und Gitarre hingaben, konnte der Gitarrist beim folgenden Tango von Piazzolla mit einer Soloeinleitung und einem leicht sentimentalen Zwischenspiel brillieren. Nicht minder beeindruckend war das von George Bizet inspirierte „Pièce en forme de Habanéra“, das von spanisch-kubanischer Stimmung getragen ist. Den Konzertabschluss des Duos Giocoso bildete ein begeistert aufgenommener Tango Piazzollas.