Auf Einladung des Fördervereins Mettinger Schultenhof gastierte das LandesTheater Castrop Rauxel in den Mettinger Schulen. Hier der Bericht in der IVZ von Dietlind Ellerich:

 

-del- METTINGEN. „Ich nehme die Pistole. Ich ziele. Ich erschieße meinen Freund“. Das folgende Gelächter und Gejohle gibt es nur in der Erinnerung des Schützen. Es stammt aus den Mündern der NS-Männer, die Hans die Pistole in die Hand gedrückt und ihm befohlen haben, Ruki abzuknallen. In der Aula der Kardinal-von-Galen-Schulen ist es still, als Hans seine Geschichte erzählt, um sie loszuwerden.

„Zigeuner-Boxer“ heißt das Ein-Mann-Stück, mit dem das Westfälische Landestheater Castrop-Rauxel zu Gast in Mettingen war. Auf Einladung des Fördervereins Mettinger Schultenhof sehen insgesamt knapp 250 Zehntklässler der Josef-Schule und der Kardinal-von-Galen-Schulen eine Geschichte zwischen Wirklichkeit und Fiktion, die das Grauen der NS-Zeit durch das eindringliche Spiel des Darstellers Andreas Kunz greifbar macht.

„Zigeuner-Boxer“ von Rike Reiniger basiert auf der Lebensgeschichte des sinto-deutschen Boxers Johann „Rukeli“ Trollmann, der 1933 die Deutsche Meisterschaft im Halbschwergewicht gewann. Wenige Tage später wird ihm der Titel aberkannt. Im Jahr 2003, 70 Jahre nach seinem Sieg und 59 Jahre nach seinem Tod im Konzentrationslager, wird ihm der Titel wieder zuerkannt, seiner Familie der Meistergürtel überreicht.

Reinigers Inszenierung nimmt die Zuschauer mit in eine Zeit der Unterdrückung und des Terrors, erzählt von Mut und Freundschaft, von Hilflosigkeit und Zerrissenheit. Hans alias Andreas Kunz lässt seinen jungen Zuschauern keine Chance, sich dem Geschehen und seinem Spiel zu entziehen, zwingt sie, sich mit seinen Erinnerungen auseinanderzusetzen. Er ist mittendrin, sucht den direkten Kontakt, fragt und lockt, flirtet und droht, setzt sich ins Publikum, macht (die) Geschichte für die jungen Leute nachvollziehbar.

„Ich fand es sehr beeindruckend, wie er sich in die Person und die Situation hineinversetzt hat“, stellt die 16-jährige Augustina fest, und auch die gleichaltrige Anna-Lisa ist begeistert, wie authentisch Kunz als Rukis bester Freund Hans rüberkommt.

Bea ist fasziniert davon, wie intensiv sich der Schauspieler unter anderem mit dem Besuch eines Boxklubs auf seine Rolle vorbereitet hat. Besonders nahe gegangen ist der 17-Jährigen die Überlegung des Darstellers, Hans habe Ruki einen Freundschaftsdienst erwiesen, als er ihn durch d2en tödlichen Schuss von seinem Leid erlöst habe.

Gut vorbereitet waren auch die Schüler. In dem von der Theaterpädagogin Dr. Igef Abali moderierten Gespräch nach Aufführung löcherten sie den Schauspieler mit ihren Fragen