Bilder zeigen Himmel und Frauen

Ausstellungseröffnung

Heute, 25. Feb. 2018 - 14:48 Uhr
von Dietlind Ellerich

„Es ist ein Anblick, der niemals langweilig wird“, begründet Karin-Sophie Richter-Reichenbach, warum ihr der Himmel zu jeder Tageszeit und bei jedem Wetter so sehr am Herzen liegt. Fotos: Karl Dorenkamp

 

METTINGEN. „Es ist ein Anblick, der niemals langweilig wird“, begründet Karin-Sophie Richter-Reichenbach, warum ihr der Himmel zu jeder Tageszeit und bei jedem Wetter so sehr am Herzen liegt. „Es ist nicht spektakulär, es passiert nichts, es ist nur Luft und Ruhe, und das war schon immer so“, fährt die Professorin für Kunstdidaktik während der Eröffnung der Ausstellung „Frauen und Himmel“ am Freitagabend im Kunstspeicher auf dem Schultenhof fort.

Richter-Reichenbachs Himmelsbilder hängen in der oberen Etage des Speichers. Es sind großflächige Werke, darunter eine Reihe von Diptychen, also zweigeteilten Gemälden, die die Künstlerin aus Telgte in einer besonderen Technik gestaltet hat. „Durch das Vermalen von farbigem Wachs mit einem heißen Bügeleisen auf dem Stoffgrund erzeuge ich eine beinahe aquarellige Wirkung und genau die Stimmung, wie ich sie haben will“, beschreibt sie das Verfahren. Es sei eine der ältesten menschlichen Techniken, weiß sie, dass schon die alten Römer so gearbeitet haben, allerdings „nicht so fein, wie ich es mache“.

 „Und wenn die Sonne drauf scheint?“, fragt ein Besucher. Die Bilder mit den stufenlos wirkenden Übergängen bei 40 Grad aufzuhängen, verbiete sich von selbst, räumt Richter-Reichenbach ein, dass ihre Werke in dunklerer Umgebung besser aufgehoben sind.

Auch die Technik, die die Künstlerin „Defresko“ nennt, hat sie selber entwickelt. Das Verfahren verwendet sie in den Frauenbildern, die im Erdgeschoss des Kunstspeichers zu sehen sind. „Verschiedene Farbpigmente bilden den Grund, darüber liegen feuchte Gipsschichten, mit Stichel und Messer arbeite ich das darunter Liegende heraus“, beschreibt sie, wie dadurch die „nie so ganz knitterfreie“ Wirkung im Bild entstehe.

Wegen dieser Raum fordernden Technik sei unter anderem die Perlenkette auf einem ihrer Gemälde etwas größer ausgefallen, erläutert Richter-Reichenbach, die nicht nur selber malt und lehrt, sondern auch in der Kunsttherapie arbeitet.

„Kann Kunst heilen?“, möchte Bernhard Kötter. Vorstandsmitglied des Fördervereins, wissen. „Auf jeden Fall“, versichert die Fachfrau und gibt einen kurzen Einblick in ihren Praxisalltag. „Die Patienten gewinnen während der Therapie andere Perspektiven auf sich selber“, ist sie überzeugt. Ein Arzt, mit dem sie viele Jahre zusammengearbeitet habe, sei der Auffassung gewesen, dass er die Dinge, also die Krankheit aufdecke, die Therapeutin Richter-Reichenbach die Menschen handlungsfähig mache, versucht sie eine Beschreibung des Heilungsprozesses.

Die Werke der Künstlerin Richter-Reichenbach inspirierten die Besucher der Ausstellungseröffnung am Freitag zum Gedankenaustausch und zum Perspektivenwechsel. Die Ausstellung „Frauen und Himmel“ ist bis zum 18. März samstags und sonntags jeweils von 15 bis 18 Uhr im Kunstspeicher auf dem Mettinger Schultenhof zu sehen.

   

 

 

Eigenbericht: Künstlerin malt reliefartige Himmel

Karin-Sophie Richter-Reichenbach zeigt ihre Bilder im Speicher des Schultenhofes

METTINGEN. In der ersten Ausstellung dieses Kulturjahres zeigt der Förderverein Mettinger Schultenhof vom 23. Februar bis zum 18. März einen repräsentativen Querschnitt von Arbeiten der Künstlerin Karin-Sophie Richter-Reichenbach.

Die in Telgte lebende Malerin war laut Pressemitteilung Lehrbeauftragte an der Kunstakademie Düsseldorf und von 1993 bis 2010 Professorin für Kunstpädagogik und Kunsttherapie an der Universität Gießen. Heute leitet sie das Institut für Kunstpraxis und Kunsttherapie in Millstatt in Österreich.

Neben ihrer langjährigen wissenschaftlichen Tätigkeit hat Richter-Reichenbach auch immer künstlerisch gearbeitet und ihre Werke in einer Vielzahl von Ausstellungen präsentiert.

Die Mettinger Schau konzentriert sich auf Bilder von Frauen und Himmelsbilder, die beide in ihrer gegenwärtigen Arbeit einen wesentlichen Schwerpunkt bilden. Seit etwa zehn Jahren experimentiert die Künstlerin mit einem besonderen Verfahren, das ihren Gemälden eine ungewöhnliche Farbintensität und Tiefe verleiht.

Es wird farbiges Wachs mittels verschiedener Hitzequellen direkt über der Leinwand verflüssigt und mit erhitzten Instrumenten verteilt. So ergeben sich wechselnde Festigkeitsgrade der aufgetragenen Abschnitte mit unterschiedlichen Mischungen und Formen. Es entstehen Flächen, die einer direkt bemalten Leinwand ähneln, und Bereiche, die beinahe reliefartig wirken.

Die Ausstellung Karin-Sophie Richter-Reichenbach „Frauen und Himmel“, eröffnet am Freitag, 23. Februar, im Kunstspeicher auf dem Mettinger Schultenhof um 20 Uhr. Öffnungszeiten im Speicher sind jeweils samstags und sonntags von 15 bis 18 Uhr.