Tagebau / Re-Kultivierung?

Photographien zu den Orten in den Tagebau Revieren Köln-Aachen und der Lausitz - Foto: Karl Dorenkamp

Fotoausstellung im Kunstspeicher auf dem Schultenhof eröffnet   -  IVZ vom 17.4.18

Braunkohlenabbau verändert 

Dieter Blase (l.) Leiter der Werkstatt für Photographie, und Bernhard Kötter vom Vorstand des Fördervereins Schultenhof (5. v.l.) eröffneten im Kunstspeicher die Ausstellung „Tagebau/Re-Kultivierung?“ Die anwesenden Künstler beantworteten Fragen der zahlreichen Besucher: (v.l.) Frank Lemken, Marc Setrup, Christian Becker, Richard Korff, Georg Niklasch und Jörg Lehmkühler. Es fehlte Richard Klumpp.
Foto: Karl Dorenkamp

 

Von Brigitte Striehn

METTINGEN. Braunkohletagebaue verändern eine Region zweifach. Zum einen verschwinden Orte und Menschen müssen umziehen, wenn der Abbau der Kohle beginnt. Jahre, oft Jahrzehnte, später beginnt die Rekultivierung, die jedoch niemals den ursprünglichen Zustand wiederherstellt. Mitglieder der „Werkstatt für Photographie“ aus Altenberge haben sich die Aufgabe gestellt, diesem Prozess nachzuspüren und zu dokumentieren, wie sich Orte durch die Förderung von Braunkohle verändern. Bei der Eröffnung der Ausstellung „Tagebau/Re-Kultivierung?“ im Mettinger Kunstspeicher gingen Bernhard Kötter vom Vorstand des Fördervereins Schultenhof und der Leiter der Werkstatt, Fotodesigner Dieter Blase, im Zwiegespräch Problemstellungen auf den Grund.

Hauptziel war die Darstellung der Veränderung der betroffenen Orte. Auch der Begriff „Heimat“ wurde hinterfragt. „Wenn es etwas ist, in dem Menschen kulturell verortet sind, gehört dazu viel Immaterielles“, hob Dieter Blase hervor. Dies sei nicht einfach ersetzbar, wie am Beispiel von Friedhöfen deutlich werde. Seine Werkserie „Metamorphosen der Identität“ ist im Rheinischen Tagebau-Revier entstanden. Ihn beschäftigen das Spannungsfeld zwischen Vergangenheit und Gegenwart sowie der Wandel der Arbeitskultur. Um eine Aussage hervorzubringen, sei Recherche im Vorfeld erforderlich. „Man sieht nur, was man weiß“, zitierte er Johann Wolfgang von Goethe.

Bei den Reisen führten die Fotografen in den Revieren oft Gespräche mit den Einwohnern. Die Reaktion der Leute sei diametral entgegengesetzt zu der öffentlichen allgemeinen Diskussion, so Blase. Er habe festgestellt, dass die Leute zumeist hochzufrieden mit der neuen Situation sind, zumindest im Westen. Warum auch nicht, wenn sie für eine alte Bruchbude ein neues Haus bekommen und Abfindungen für die Grundstücke? In der Lausitz, in Ostdeutschland, sei der Protest lauter, die Identifikation mit der Heimat stärker, sagte Blase.

Durch die einheitlichen Formate der Fotos sowie der Rahmung entsteht in den Räumen auf den ersten Blick ein homogener Eindruck. Doch so ist es nicht unbedingt. Bei näherer Betrachtung der relativ kleinen Fotos in Farbe oder Schwarz-Weiß offenbaren sich Details, die den Umbruch der Regionen in unterschiedlicher Perspektive und Herangehensweise der Künstler verdeutlichen.

M Die Ausstellung „Tagebau/Re-Kultivierung im Kunstspeicher auf dem Schul- tenhof ist bis zum 6. Mai sams- tags und sonntags von 15 bis 18 Uhr geöffnet

 

Vorbericht zur Ausstellung

 

Die Photographien hinterfragen den Begriff der Re-Kultivierung aus unterschiedlichen Perspektiven und erweitern den Blick auf die Gegenwart und die aktuelle gesellschaftliche Auseinandersetzung um die unterschiedlichen Formen und Ausprägungen der Identität in der Region Köln-Aachen und der Lausitz.

Es sind die zahlreichen Orte und Formen der Identitätsfindung, die in alten wie neuen Orten zu erkennen sind. Nüchtern und nuancenreich erkunden Schwarzweiß- und Farbaufnahmen die Orte und Lebensräume der Regionen, um die Kontinuitäten, Ungereimtheiten und Widersprüche aufzuzeigen, die für die Folgegenerationen mit der Landschaft verbunden bleiben. Manche Orte legen eine »Metamorphose der Identität« nahe, so dass sich die Frage stellt: Ist eine »Re-Kultivierung möglich?«

Auf Grund der aktuellen Ereignisse an den Tagebauen stellt sich die Frage nach einer passenden Erinnerungskultur für die Region mehr denn je. Seit mehreren Jahren setzt sich die Gruppe in verschiedenen Themenfeldern mit dem Nutzungs- und Bedeutungswandel von historischen Orten in Europa auseinander.

 

Dauer der Ausstellung: 13.4. bis 6.5.2018

 

Öffnungszeiten Kunstspeicher: samstags und sonntags von 15 bis 18 Uhr