„Landschaften und Zeit“ im Kunstspeicher -  Pressebericht

METTINGEN

Besucher begeistert von der Ausstellung im Kunstspeicher

Wie im Vorüberfahren aufgenommen

Sonntag, 01. Mrz. 2020 - 13:47 Uhr
von Dietlind Ellerich

Unter dem Titel „Landschaften und Zeit“ zeigt der Förderverein Mettinger Schultenhof noch bis Sonntag, 5. April, eine Gemeinschaftsschau des Künstlerpaares Teresa Reyes-Lorca und Hans-Georg Dornhege.

Bernhard Kötter (r.) und Otto Nienhoff (l.) waren wie die vielen Besucher im Kunstspeicher begeistert von den Kunstwerken des Künstlerpaars Teresa Reyes-Lorca und Hans-Georg Dornhege.Dietlind Ellerich

 Bernhard Kötter (r.) und Otto Nienhoff (l.) waren wie die vielen Besucher im Kunstspeicher begeistert von den Kunstwerken des Künstlerpaars Teresa Reyes-Lorca und Hans-Georg Dornhege.

Foto: Dietlind Ellerich

Sie umfasst knapp 30 Bilder, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Großformatige, farbige Landschaften, wie im Vorüberfahren aufgenommen, Einfallstraßen in amerikanische Städte, Zeichnungen vom Jakobsweg, die Vielfalt ist enorm, die Palette der Farben breit gefächert.

Selten habe er eine solche Farbenpracht im Kunstspeicher erlebt, schwärmt Bernhard Kötter, Beisitzer im Vereinsvorstand, am Freitagabend, als sich Künstler, Veranstalter und Besucher auf der Vernissage drängeln. „Ich sehe Landschaften, aber wie hält man die Zeit fest“, fragt er die gebürtige Chilenin und ihren Mann, mit dem sie in ihrer Wahlheimat Angelmodde zu Hause ist.

Dornheges Antwort ist philosophisch. Er spricht von den „Landschaften“ als „einerseits konkret erlebbaren Landschaften und andererseits als Kunstobjekten, wie sie hier in der Ausstellung zu sehen sind“. Diesem Bestimmten stehe das Unbestimmte gegenüber, „die Zeit als allgemeiner Begriff, als philosophischer Begriff und als physikalische Größe“, fährt er fort.

Reyes-Lorca versucht, die Beziehung von Landschaften und Zeit aus der Sicht einer Sechsjährigen zu beschreiben. Auf einer Wiese zu liegen, in den blauen Himmel zu schauen und noch das Grün der Bäume wahrzunehmen, sei ihr erstes Landschaftsbild gewesen. Da sei die Zeit stehen geblieben und „als die Zeit kam zu malen, war alles wieder da“.

Die Wahrnehmung von allgemeiner Landschaft und von Landschaft als Kunstwerk geschehe immer im Moment des Betrachtens, in der Gegenwart, im Präsens, erklärt Dornhege.

Bezogen auf die Vergangenheit bleibe „die erinnernde Vorstellung von allgemeiner Landschaft und Landschaft als Kunstwerk unbestimmt, nur als ungenaue Vergegenwärtigung nachvollziehbar“, während bezogen auf die Zukunft „antizipierend, geplante, sich entwickelnde, also zukünftige allgemeine Landschaft als zukünftige Landschaft vorgestellt, für wahr genommen“ werde und daher unbestimmt bleibe.

Bevor die Ausstellungseröffnung allzu „philosophie-lastig“ wurde, erinnerte Bernhard Kötter an die Hängung der Bilder des Paares. Den ursprünglichen detaillierten Plan der Künstler hätten er und sein Vereinskollege Otto Nienhoff über den Haufen geworfen, um nach intensiven Diskussionen mit Dornhege zum aktuellen Status quo zu gelangen, stellt er schmunzelnd fest.

Nicht nur die Veranstalter des Fördervereins Schultenhof sind begeistert von den Werken Reyes-Lorcas und Dornheges, auch die Besucher der Ausstellungseröffnung geraten ins Schwärmen, als sie von Bild zu Bild gehen. Das Paar hatte am Freitag seinen Fanclub mitgebracht. „Ich bin völlig überwältigt, wie viele Leute aus Angelmodde gekommen sind“, kommentierte Bernhard Kötter, der einigen Besuchern Einblick in die Historie des Kleinods Schultenhof gab.

Die Ausstellung „Landschaften und Zeit“ von Teresa Reyes-Lorca und Hans-Georg Dornhege ist im Kunstspeicher bis zum 5. April jeweils samstags und sonntags von 15 bis 18 Uhr geöffnet.

 

Astronautenbilder bis zum Jakobsweg

METTINGEN. Der Förderverein Mettinger Schultenhof zeigt von Freitag, 28. Februar, bis zum 5. April unter dem Titel „Landschaften und Zeit“ eine Gemeinschaftsausstellung der Münsteraner Künstler Teresa Reyes- Lorca und ihres Mannes Hans-Georg Dornhege. Die Eröffnung ist am Freitag, 28. Februar, um 20 Uhr im Kunstspeicher auf dem Schultenhof Mettingen. Beide Künstler sind ebenfalls dabei.

Teresa Reyes-Lorca ist Absolventin der Kunsthochschule Santiago de Chile und der Kunsthochschule Münster/Düsseldorf. Hans-Georg Dornhege hat sein Meisterschülerdiplom an der Kunsthochschule Berlin erworben. Er ist einer der bedeutendsten Vertreter des „Neuen Realismus“. Das teilt der Förderverein in einer Presse-Information mit.

Die Kunstkritikerin Camilla Blechen schrieb in einer Rezension über eine Ausstellung der „Neuen Realisten“ mit Teilnehmern wie Wolfgang Petrick und Gerhard Richter: „Der stärksten malerischen Begabung begegnet man in dem 28-jährigen Hans-Georg Dornhege“. Der in Münster geborene Maler habe sich in verschiedenen Perioden seines Schaffens mit extrem unterschiedlichen Themen befasst. In seinen „Astronautenbildern“ zeichnet er neben der Technik der Raumfahrt besonders Grunderfahrungen einer nicht mehr von den Astronauten selbst kontrollierbaren Tätigkeit. Seine „Amerikanischen Landschaften“ beschreiben eine häufig unwirkliche Darstellung von städtischen Randgebieten, Industrieanlagen und Bezirken, die nicht zum Verweilen einladen. Sie künden als „Überall- und Nirgendslandschaften“ von der Getriebenheit des Menschen.

Seine „New Yorker-“ und besonders „Manhattanbilder“ porträtieren Ausschnitte aus dem Leben in der Großstadt und fordern die Betrachter zum Nähertreten und zur Auseinandersetzung auf. Eine überraschende Wendung habe Dornhege in den vergangenen Jahren mit seinen Zeichnungen vom Jakobsweg gemacht. Diese sind zum Teil direkt auf seinen mehrfachen Pilgerwanderungen mit seiner Frau, Teresa Reyes-Lorca, entstanden. Die Verschiedenartigkeit der grandiosen Landschaft, die Bedingungen der Wanderschaft und die unterschiedlichen Erlebnisse finden in seinen Abbildungen ihren intensiven Niederschlag. Das Gesamtwerk des Künstlers bildet damit einen abwechslungsreichen, oft veränderten Rahmen, dessen interessante Teilaspekte sich in farbintensiven Bildern widerspiegeln.