Hannelore Hoger ganz gefühlvoll (IVZ vom 18.11.2013 Sunhild Salascheck)

Ein echter Star, ganz nah und sehr professionell: Die Lesung mit Hannelore Hoger war ein Höhepunkt der LiteraTour 2013.

 

METTINGEN. „Ich liebe dich’ hat eine magische Qualität – ich würde lieber gar nichts sagen, um das bisschen Liebe, das es gibt, nicht zu verscheuchen.“ Diese „magische Qualität“ beleuchtete jetzt Hannelore Hoger auf Einladung des Fördervereins Mettinger Schultenhof. Es wurde einer der Höhepunkte von LiteraTour 2013.

Hoger gastierte im nahezu ausverkauften Bürgerzentrum mit „Liebe und andere Kleinigkeiten“. Für dieses Programm hatte die beliebte Schauspielerin (Bella Block) Texte aus dem von Sibylle Berg herausgegebenen Buch „Und ich dachte, es sei Liebe“ ausgewählt. Das Publikum konnte die unterschiedlichen Stimmungen vom befreienden Abschütteln einer gescheiterten Beziehung bis hin zum Schmerz einer zerbrochenen Liebe mit Hoger durchleben.

Mal aufgewühlt und verzweifelt, mal verhalten und trotzig, dann wieder süffisant, sarkastisch oder auch mit Tränen in der Stimme zeigte sie anhand von Abschiedsbriefen berühmter Frauen aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts die vielseitigen Facetten, die das Ende einer Liebe mit sich bringen kann. Als Schauspielerin verkörperte Hoger während ihrer Lesung jede dieser Frauen, und sie ließ die Zuhörer verletzte Eitelkeit, Verachtung oder auch tiefe Verzweiflung spüren – gleichzeitig aber auch den Abstand, mit dem die Frauen ihre verflossenen Beziehungen analysierten.

Trauer über das Vergangene – dafür blieb wenig Raum. Am ehesten kam Sehnsucht in den Texten zum Ausdruck, die Hoger gesungen vortrug, am Flügel begleitet von Siegfried Gerlich. Mit dem Spiel einiger Stücke von Claude Debussy, Robert Schumann und George Gershwin intensivierte Gerlich die poetische Stimmung, die in den scheinbar so nüchternen Abschiedsbriefen immer mitschwang.

Auch Hoger selbst verdeutlichte beide Seiten der Gefühle mit ihrer sanften, warmen aber gleichwohl rauen Stimme. Nur ihre feine minimale Körpersprache drang nicht bis in die letzten Reihen des großen Saales vor, sodass manch eine(r) die intimere Atmosphäre des Schultenhofes vorgezogen hätte. Die ausdrucksstarken Texte von Simone de Beauvoir, Hemingways Gefährtin Agnes von Kurowsky und vielen anderen verfehlten ihren Effekt dennoch nicht. Besonders einprägsam wirkten die Formulierungen von Marlene Dietrich, die sich „leer und ohne Ziel“ fühlt, wie sie Erich Maria Remarque schreibt. Nach den Erfahrungen des Zweiten Weltkrieges sehnt sie sich nach dem Trost „seelischer Leberwurstbrote.“

Nach der Pause schlug Hoger ein anderes Kapitel auf. Mit äußerlich ebenfalls nüchternen Texten von Kurt Tucholsky sprach sie amüsantere Aspekte an: „Die Ehe war zum größten Teile – verbrannte Milch und Langeweile“. Erwähnenswert auch der groteske Dialog der „Zwillinge in Utero“ oder „Lottchen beichtet einen Geliebten“, wo die Liebe spielerisch einen Seitensprung überwindet.

Mit Loriots „Das Ei“ als Nachschlag erheiterte Hoger die Zuhörer über den Abend hinaus gleich noch beim nächsten Frühstück.