Eine Inszenierung voller Gegensätze - Bericht in der IVZ vom 8.3.2016 - Dietlind Ellerich

Das Hohenloher Figurentheater hat bei seiner Aufführung das richtige Maß zwischen Spaß und Ernsthaftigkeit gefunden. Mehr als 120 Zuschauer verfolgten die spannende, witzige und nicht zuletzt erfolgreiche Jagd nach den begehrten, starken Seelen auf der Diele des Schultenhofes.                                                                                                                                                                                               

 Foto: Karl Dorenkamp

METTINGEN. Wer bei der Ankündigung von „Faust“ nur auf Goethe und Gretchen gesetzt hat, war am Sonntag auf der falschen Fährte. Es waren der vermoderte Fährmann Charon und der adipöse Höllenfürst Pluto, die auf der Bühne gemeinsame Sache machten, und da hieß es diesseits des Styx: Obacht geben, denn die beiden heckten einen teuflischen Plan aus, um höllisch kostbare Fracht in des Fährmanns Kahn zu bekommen.

Die spannende, witzige und nicht zuletzt erfolgreiche Jagd nach den begehrten, starken Seelen verfolgten auf der Diele des Schultenhofes im kulturellen Teil des Kulturfrühstücks über 120 Zuschauer. Nach ausgiebigen kulinarischen Genüssen versteht sich, für die wie in den vielen Jahren zuvor das engagierte und kreative Küchenteam verantwortlich zeichnete.  

Auf Einladung des Fördervereins Mettinger Schultenhof spielten Johanna und Harald Sperlich vom Hohenloher Figurentheater ihre Inszenierung von „Doktor Johannes Faust“, nach einer historischen Überlieferung aus dem 15. Jahrhundert, von der sich auch Johann Wolfgang von Goethe für seinen Faust hatte inspirieren lassen.

Es ist eine Inszenierung voller Gegensätze, die immer das richtige Maß zwischen Ernst und Spaß findet. Mutet der Auftritt des mit ersterbender Stimme parlierenden Charon zu Beginn des Vierakters düster und gruselig an, sorgt der schwabbelige und schrille Pluto nur Sekunden später für Heiterkeit. Dem rastlosen und an seinen Grenzen verzweifelnden Doktor Faustus steht ein vermeintlich alles falsch verstehender Diener „Hans Wurst“ gegenüber, der sich wunderbar aus dem mit Blut besiegelten Pakt zieht und zuletzt des Lebens freut, während der geniale Kopf Faustus gen Hölle fährt. Es ist ein bestens aufeinander eingespieltes Team, das hinter den Kulissen Hand in Hand und mit Unmengen von Stimmen in wirklich allen Tonlagen arbeitet, um vorne eine temporeiche und höchst kurzweilige Geschichte zu erzählen, die das Publikum so begeistert, dass es stehend applaudiert und schnell der Wunsch nach einem weiteren Gastspiel der Hohenloher laut wird.

Ob Mephistopheles, Vitzliputzli, Auerhahn oder Asmodeus als Teufel oder komische Geister, ob Faust oder sein Famulus Wagner, das Herzogspaar von Parma und natürlich Pluto, Charon sowie Hans Wurst, die Puppenspieler beherrschen ihre Figuren meisterlich, erwecken sie eindrucksvoll zum Leben. Fasziniert waren die Gäste im Schultenhof auch von der höchst lebendigen Mimik der Puppenspieler, der sie erst nach der Aufführung gewahr wurden, als Johanna und Harald Sperlich ihre Figuren vor der Guckkastenbühne in Aktion vorstellten.

Beiden Eheleuten wurde die Theaterarbeit schon in die Wiege gelegt, und bereits seit 41 Jahren spielen sie gemeinsam hinter oder auch auf der Bühne des traditionsreichen Hohenloher Figurentheaters mit ihren ausdrucksstarken Figuren aus Lindenholz. Hinter den Kulissen ist das Paar ebenso in seinem Element wie vor der Bühne im Austausch mit seinen Zuschauern. Es scheint eine Herzensangelegenheit für die Theatermenschen zu sein, die Laien mit ihrem Metier bekannt zu machen. Ein Angebot, auf das sich das Publikum am Sonntag gerne einlässt.

 

 

Zeitreise ins 15. Jahrhundert - Eigenbericht

Erst Frühstück, dann Kultur: Dazu lädt der Förderverein des Mettinger Schultenhofes am Sonntag, 6. März, ab 10 Uhr ein. Dann zeigt das Hohenloher Figurentheater nach einem Sonntagsfrühstück das Stück „Dr. Johannes Faust“ nach einer historischen Überlieferung aus dem 15. Jahrhundert.

METTINGEN. Das Stück, das im Schultenhof gezeigt wird, ist eine Inszenierung mit großen Stabfiguren in vier Akten und dauert rund 90 Minuten.

Zum Inhalt: Ausgehungert nach starken und besiegten Seelen rudert der vermoderte Fährmann Charon in seinem leeren Kahn über den Fluss Styx. Ihn verlangt es nach höllisch kostbarer Fracht. Pluto, fettleibiger Höllenfürst, weiß um ein williges Opfer für magische Künste und „Teufelswerk“. In seinem Studierzimmer wandert rastlos und ringend Doktor Faustus, sich den Grenzen seines Wissens und seiner Unwissenheit bewusst und daran verzweifelnd. Nur zu schnell schlägt er in den blutbesiegelten Pakt mit dem Bösen ein, hastet auf den Irrweg zur angeblichen Vollkommenheit. Macht und Gold, Wein und Weib in vollen Zügen schlürft er den dargebotenen Kelch der frevelhaften Lebensfreuden, lässt sich von Mephisto auf den teuflischen Pfad führen.

 

Nach zwölf Jahren erkennt er den Irrtum: Nicht einen Schritt weiter gekommen, nirgends die Erfüllung seines rastlosen Sehnens gefunden, soll ihm jetzt auch die himmlische Ruhe versagt bleiben. Trotz der Erkenntnis rettet ihn auch die Reue nicht – er verfällt erneut der Versuchung. Der Spiegel, den ihm Mephisto vorhält, zeigt den alten Gelehrten, der sein Leben im schönen Schein, in vorgegaukelten Träumen verwirkt hat. Unerbittlich reißt die feurige Flammenhand Dr. Faust in den Höllenschlund.

Ausgangspunkt dieser weltweit verbreiteten Sage war die Figur des berüchtigten deutschen Magiers und Schwarzkünstlers Johannes Georg Faust, der im 15. Jahrhundert lebte. Seine Abenteuer und Wunderkuren hatten die Volksfantasie in Bewegung gesetzt und verknüpfte sie mit älteren, ähnlichen Geschichten. 1589 wurde die Sage vom Engländer Marlowe als Drama bearbeitet und in Deutschland wieder aufgegriffen. Sie fand als Volksschauspiel weite Verbreitung.

Besonders die Puppenspieler bedienten sich gerne dieses Stoffes. Goethe, der ein solches Puppenspiel in seiner Jugend sah, ließ sich davon zu seinem Werk „Faust“ inspirieren. Auch andere Dichter widmeten sich diesem Thema, selbst Komponisten und bildende Künstler nahmen sich der „Faust“-Saga an.

Die Inszenierung des Hohenloher Figurentheaters beruht auf dem „Doktor Faustus“ von Marlowe. Mithilfe der handgefertigten Puppen entführen die Spieler das Publikum in eine mittelalterliche Welt mit ihren Vorstellungen von Gut und Böse.

Karten für Frühstück und Theater gibt es bei Schreibwaren Gerbus, 0 54 52 / 97 30 17, und bei der Touristinformation, 0 54 52/ 52 13, zum Preis von 18 Euro (nur Vorstellung (ab 11.30 Uhr: zehn Euro). Der Förderverein bittet zur besseren Planung des Frühstücks um Abholung der Karten bis zum 3. März.