"Irrwisch entfacht großen Zauber"
Verwandlungskünstlerin Barbara Kratz überzeugt erneut beim Kulturfrühstück auf dem Schultenhof

von Dietlind Ellerich in der IVZ 12.03.2013

METTINGEN. „Unser Sohn hat heute Geburtstag. Er wird 18. Wir feiern, aber er ist weg, einfach verschwunden.“ Die Situation scheint ernst, und das Publikum harrt ein wenig betroffen der Erklärung, was da in der Familie wohl schief gelaufen sein mag. Und während die Königin alias Schauspielerin Barbara Kratz gemeinsam mit den Zuschauern auf ihren verrückten Sohn wartet, erzählt sie ihnen ihre verrückte Geschichte.

„Die Irrwischkönigin“, ein Bühnenstück von Diana Anders nach Motiven des romantischen Märchens von Richard von Volkmann-Leander, hieß der kulturelle Teil des Kulturfrühstücks, zu dem der Förderverein Mettinger Schultenhof am Sonntag auf die Hofdiele eingeladen hatte.

Nach dem kulinarischen Teil in Form eines Frühstücksbuffets, das keine Wünsche offen ließ, folgte die verrückte Geschichte eines Kuhhandels, der ein wenig an Goethes Zauberlehrling erinnerte. "Die ich rief, die Geister, werd´ ich nicht mehr los", mag sich auch das kinderlose Ehepaar gedacht haben, nachdem es sich auf den Handel mit der Irrwischkönigin eingelassen hatte. "Liebt er ein schönes Mädchen, so darf er diese Liebe niemals verlieren" - das ist ihre Bedingung, sollte sie dem Königspaar den Wunsch nach einem Thronfolger erfüllen. Wie leichtfertig König und Königin darauf eingelassen haben, wird ihnen erst Jahre später bewusst, als sich Prinz Vesa in das - nicht standesgemäße - Waldmädchen Blauäuglein verliebt.

 Barbara Kratz verkörpert - wie schon im vergangenen Jahr in den "Nibelungen" sämtliche Rollen des Stücks. Sie begeistert die Zuschauer im Schultenhof wieder einmal mit ihrer unglaublichen Bühnenpräsenz. Rund 75 Minuten lang beherrscht die Verwandlungskünstlerin als Schauspielerin und Puppenspielerin die Szenerie, die sie ebenso nebenbei umgestaltet, wie sich selber verwandelt und dabei Vogelgezwitscher und andere Geräusche produziert. Mit einer faszinierenden Inszenierung fesselt Kratz erneut das Publikum, das das Geschehen gespannt, aber auch amüsiert verfolgt.

Spuk, Feuer, Mord und Totschlag, Liebe und Sehnsucht, Intrige, Hass, Versöhnung und natürlich ein glückliches Ende - es fehlt an nichts in diesem temporeichen Stück, das der Schauspielerin offensichtlich ebenso viel Freude bereitet wie den Zuschauern. Kaum zu glauben, das letztlich nur eine einzige Person für den Zauber verantwortlich ist.

"Und hinterher geht nur einer weg", fasst Barbara Brüning, Vorsitzende des Fördervereins Mettinger Schultenhof, das Phänomen Barbara Kratz zusammen. So bleibt das Fazit, dass auch beim dritten Kulturfrühstück des Fördervereins Mettinger Schultenhof kultureller und kulinarischer Genuss eine perfekte Symbiose eingingen.