Schultenhof Kulturfrühstück 

Temporeicher Ritt mit den Nibelungen von Dietlind Ellerich (IVZ vom 26.03.2012)

METTINGEN.

 Brunhilde, Gunther, Hagen, Krimhild, Siegfried, die Nibelungen alle gleichzeitig auf der Bühne? Unmöglich? Barbara Kratz, als ehemaliges Mitglied der Bremer Shakespeare Company schon früher ein gern gesehener Gast in Mettingen, bewies am Sonntagvormittag eindrucksvoll das Gegenteil. In ihrer mordsmäßigen Bühnenshow „Die Nibelungen“ beim Kulturfrühstück, zu dem der Förderverein Mettinger Schultenhof in die Diele des Haupthauses eingeladen hatte, schlüpfte Kratz in unzählige Rollen und Kostüme und spielte das mittelalterliche Heldenepos mit so viel Schwung und Freude nach, das die rund 90 Zuschauer immer wieder Szenenapplaus spendierten.

Es war auch zu komisch, wie die Walküre Brunhilde mit ihrem altersschwachen Klepper Grane umherzog, aus ihrer Vergangenheit plauderte und ihre Geschichte in einer eineinhalbstündigen Fassung so kurzweilig auf die Bühne brachte, dass man sich fragte, weshalb Wagner-Opern eigentlich so unendlich lang sein müssen.

"Sex and crime“ bei den Nibelungen, die tragischen Familienbande inklusive, Verrat, Betrug, Verkupplung, Enttarnung, erneutem Verrat, Hass, Rache und Mord, kurz und knapp von einer grandiosen, wandlungsfähigen Schauspielerin temporeich präsentiert. Da bekommt man Lust auf Heldenepen!

Auch wenn fast alle auf dem Schlachtfeld zurückbleiben, Brunhilde hat wohl alles richtig gemacht, schließlich ist sie die einzige Überlebende. „Diese blonde Bagage, ich könnte sie alle kreuzweise“, flucht sie schon während der Vorstellung des Verräters (Ehemann Gunther), der Verleumderin (Schwägerin Krimhild) und des Betrügers (Siegfried). Alle hätten Bescheid gewusst, „nur man selber weiß nichts“, stellt sie – nur kurz - resigniert fest, um dann so richtig loszupoltern.

Die Inszenierung unter der Regie von Diana Anders schwelgte in Musik, die die ganze Bandbreite der Genres abdeckte. Von Wagner und seiner „Götterdämmerung“ über „Großer Gott, wir loben dich“ und „Ännchen von Tharau“ bis zu hin Udo Lindenberg, Nana Mouskouri und Marius Müller-Westernhagen spielten alle mit. Brandaktuell wurde der Spaß durch Anspielungen auf die Griechenland-Pleite, die nordeuropäischen Royals, den blond gelockten Gottschalk oder „dieses verdammte katholische Kaff“. Meint Kratz hier wirklich nur die Festung Worms? Dorthin ging es für die Königstochter Brunhilde von Isenstein über das Meer, dann den Rhein hinauf an vielen kleinen Städten, Kirchtürmen, der Loreley und Weinbergen entlang bis nach Worms. Dort ist dann der actionreiche Showdown. „Alle tot“, seufzt Brunhilde und macht sich mit dem alten rülpsenden Gaul und Motorradgeknatter auf nach Amerika, Afrika, Asien ...

Sie hätten die Nibelungen endlich mal verstanden, kommentierten mehrere Zuschauer schmunzelnd die toll gespielte Entwirrung des komplizierten Familiengeflechtes. Und Barbara Kratz versprach, wieder nach Mettingen zu kommen.

Ein großes Kompliment ging auch an das Catering-Team des Fördervereins Mettinger Schultenhof, das den kulinarischen Teil des Kulturfrühstücks so appetitlich vorbereitet hatte.