Ran an den Stein im Künstlerdorf

Förderverein Mettinger Schultenhof

Bericht in der IVZ, Sonntag, 10. September 2017 - 16:18 Uhr


von Dietlind EllerichFotos: Karl Dorenkamp

Der freischaffende Künstler aus Salzbergen Christian Niemann war am Wochenende als Dozent zu Gast in Mettingen. Wie im vergangenen Jahr leitete er einen Workshop im Rahmen des Künstlerdorfes, den der Förderverein Mettinger Schultenhof zum vierten Mal ausrichtete.

METTINGEN. Schon von weit her ist das Klopfen zu hören. „Wir hämmern und meißeln mit Eisen und Schlägeln“, erklärt Christian Niemann, was da auf dem Schultenhof mit dem Baumberger Sandstein geschieht. Der freischaffende Künstler aus Salzbergen ist am Wochenende als Dozent zu Gast in Mettingen. Wie im vergangenen Jahr leitet er einen Workshop im Rahmen des Künstlerdorfes, den der Förderverein Mettinger Schultenhof zum vierten Mal ausrichtet.

Frauen und Männer versuchen sich an dem Stein, der nicht zu weich, nicht zu hart, also geradezu ideal für die Bearbeitung durch die Teilnehmer sei, macht Niemann deutlich. „Nicht schauen, was der Stein hergibt, sondern ihn frei gestalten“, lautet die Devise, die er für die Anfänger und Fortgeschrittenen ausgibt. „Die Schöpfungskräfte liegen beim Menschen, nicht beim Stein“, stimmt er sie ein.

Also, ran an den Stein! Es sei gar nicht so einfach, sich ihm frei von jeglichem Bild im Kopf zu nähern, hat Petra Kujawa beobachtet. Der Stein macht sowieso, was er will. So ist ein Teil weggebrochen. Ein Kollateralschaden, der das weitere Schaffen natürlich beeinflusst. „Hier hat man Arbeit“, ist Kujawa zufrieden mit ihrer Auseinandersetzung. Es ist nicht ihre Erste, schon vor zwei Jahren war die Mettingerin im Künstlerdorf „Just for fun“ und vor allen Dingen offen für das, was dabei herauskommt.

„So soll es sein“, findet der Mann, den die Teilnehmer gerne als den Meister bezeichnen. Und der sagt, dass die Durchsetzung der Willenskräfte der Durchbruch sei, und dass nicht das Ergebnis, sondern der Prozess zähle. „Das Ergebnis ist das Bild eines Teils eines Weges“, bringt Niemann es schon fast philosophisch auf den Punkt. Ebenso wie Ute Schwermann-Temmen, die das Künstlerdorf für den Förderverein erneut organisiert hat, sind die Teilnehmer und die Künstler nicht nur ganz begeistert von dem Schaffen zwischen Scheune und Kunstspeicher oder darin, sondern auch von den zwischenmenschlichen Kontakten während des Workshops und nach getaner Arbeit. „Das ist nicht nur handwerkliches, sondern auch emotionales und soziales Lernen und macht einfach Spaß“, versichert Schwermann-Temmen zwischen Hämmern und Meißeln mit Eisen und Schlägeln.

Nicht nur Sandsteinarbeiten stehen am Wochenende auf dem Programm. Weitere Workshops gibt es zu Keramik und Porzellan mit Silke Wellmeier, Zeichnen mit Brigitte Hoffmeister oder Ausdrucksmalen nach Arno Stern mit Hildegard Horstmann-Vollprecht.

Ans „Experiment Farbe: das große Format“ trauen sich weitere Teilnehmer unter der fachkundigen Anleitung von Ildefons Höyng, Absolvent der Kunsthochschule Düsseldorf und Meisterschüler von Gerhard Richter.

Schwermann-Temmen lässt den Blick durch die Scheune schweifen. Sie genießt das kreative Treiben in Atelier-Atmosphäre, in der auch einige Kreative der offenen Malgruppe aktiv sind, die sich jeden vierten Mittwoch auf dem Schultenhof trifft. „Es gibt viele Kreative in der Region, die nicht nur im stillen Kämmerlein arbeiten, sondern sich mit anderen austauschen möchten“, ist ihr bewusst. Die Organisatorin des Künstlerdorfes freut sich über den großen Zuspruch auf die Angebote und verspricht eine fünfte Auflage für das nächste Jahr.

 

Künstlerdorf 2017 am 9. und 10. September 2017



 

Zu Ildefons Höyng: Experiment Farbe: Das große Format

Die Organisatoren des Künstlerdorfes sind sehr glücklich in diesem Jahr Ildefons Höyng als Workshopleiter gewonnen zu haben. Ildefons Höyng (geb. 1959 in Neuss) lebt und arbeitet als freier Künstler in Jüchen. Er studierte Malerei bei Prof. Gerhard Richter an der Staatl. Kunstakademie Düsseldorf und war dort Meisterschüler. Ein Studium der Philosophie und Kunstgeschichte schloss sich an. Ildefons Höyng ist Träger des Kunstpreises der Stadt Lingen. Seit 1989 besitzt er einen Lehrauftrag für Malerei an der Schule für Kunst und Theater in Neuss.

Informationen zu seinem Werk und seinem Kunstverständnis finden sich unter http://www.ildefons-hoeyng.de.

„Kunst verlangt Konzentration und Nachspüren. Kunst schließt die Lücke zwischen absichtslos und der Welt. Wenn ich male, begegnet mir die Welt wirklicher.“ (Ildefons Höyng).

Auf dem Künstlerdorf bietet Ildefons Höyng den Teilnehmern an sich dem Experiment Farbe zu stellen. Der 2-tägige Workshop „Experiment Farbe : das große Format!“ bietet inspirierende Anleitung und Einsichten zu den Fragestellungen: Wie kann ich verstehend und gefühlvoll mit Farbkontrasten und Farbkonstellationen umgehen? Wie kann ich Farben finden und mischen? Das intensive Seminar soll Alle erreichen die Lust auf Farben haben. Es bietet die Möglichkeit in großen Formaten zu experimentieren, zu malen und sich zu erproben. Der Samstag widmet sich der Orientierung, farbtheoretischen Überlegungen und Übungen. Am Sonntag beginnt das Experiment Farbe – es werden große Formate gemalt. Vorkenntnisse sind ausdrücklich nicht notwendig, eine Teilnahme ist ab 16 Jahren möglich. Die Arbeit mit Ildefons Höyng, der sein komplexes Kunstverständnis auf sympathische und verständliche Weise vermittelt ist laut Veranstalter ein besonderes und bereicherndes Erlebnis. 

Zu Kristian Niemann: Sandsteinarbeiten

Kristian Niemann (geb. 1958 in Ibbenbüren) arbeitet als freiberuflicher Künstler in seinem Atelier (www.atelier54.de) in Saerbeck und in Rheine-Mesum. Er studierte Kunst und Kunsttherapie an der Freien Kunststudienstätte Ottersberg bei Bremen und ist seit dem als freier Künstler tätig und auf vielen Ausstellungen präsent. Aktuell sind seine Werke u.a. in der AUSSTELLUNG / KUNSTBESTAND ABSTRAKT vom 07.07.-27.08. 2017 im Kloster Gravenhorst mit Werken aus der Kunstsammlung des Kreises Steinfurt und in der AUSSTELLUNG / WERKE DES WELBERGENER KREISES vom 09.07.-20.08. 2017 in der stARTion in Hengelo, Startionsplein 1 (am Bahnhof, Eingang gegenüber dem Fahrradparkhaus) mit KünstlerInnen des Welbergener Kreises zu sehen.


Zu Thomas Rolf: 360 Grad - Lieblingsblicke

Am 9. und 10. September ist der Schultenhof Mettingen Spielplatz für gemeinsames künstlerisches Gestalten und Erleben. Sechs Workshops aus verschiedenen Sparten der Kunst stehen für alle Altersgruppen zur Auswahl. Laut Förderverein dürfen sich Kinder, Jugendliche und Erwachsene angesprochen fühlen und sind herzlich willkommen gemeinsam etwas Neues auszuprobieren, oder auch schon vorhandene Talente weiter zu entwickeln oder zu pflegen. Nähere Informationen zu den einzelnen Workshops und den Anmeldeformalitäten finden Sie unter www.schultenhof-mettingen.de unter der Rubrik „Künstlerdorf“.

Thomas Rolf ist mit seinen kreativen Ideen bei jedem Künstlerdorf dabei und macht aus scheinbar unscheinbarem Material mit der Hilfe eines guten Workshop-Teams und professionellem Werkzeug spektakuläre Installationen die den Schultenhof für lange Zeit verschönern. Sicher erinnern sich noch viele an die Mobiles, oder die Himmelspyramide vom letzten Jahr. Dieses Jahr lautet das Thema „360° - Lieblingsblicke“. Hier sind die Teilnehmer eingeladen auf dem Schultenhof-Gelände jeweils ihren ganz persönlichen Lieblingsblick zu finden, mit einem Rahmen zu verschönern und so für andere sichtbar zu machen. Die Bilderrahmen dazu werden aus dem gestellten Material selbst gebaut und gestaltet und bleiben eine Weile auf dem Schultenhof-Gelände stehen. Dazu eingeladen sind Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Die Teilnahme ist kostenlos.

Der Workshop mit Thomas Rolf findet statt am Samstag den 9.9.2017 von 10 bis 16 Uhr und am Sonntag den 10.9.2017 von 11 bis 16 Uhr. Anmeldungen sind noch möglich unter kuenstlerdorf@schultenhof-mettingen.de.

Zu Silke Wellmeier: Arbeiten mit Keramik und Porzellan

Wie schon im letzten Jahr ist Silke Wellmeier mit Ihren Keramik- und Porzellan-Arbeiten Teil des Künstlerdorf-Teams. Zwei verschiedene Werkstoffe, nämlich Keramik und Porzellan stehen zur Auswahl und können mit verschiedenen Techniken zu kunstvoller Gestalt geformt werden. Silke Wellmeier gibt dabei fröhlich und geduldig Anleitung zur Wulsttechnik, zum Arbeiten an der Töpferscheibe und zum freien Gestalten. Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen sind herzlich dazu eingeladen.

Silke Wellmeier ist ein aktives Mitglied der Künstlervereinigung Welbergener Kreis und aktuell nominiert für den Staatspreis NRW. Zur Zeit sind ihre Werke bei folgenden Ausstellungen zu sehen: Vom 09.07. - 20.08.2017 StArtion Hengelo mit einer Gemeinschaftsausstellung des Welbergener Kreis. Vom 09.09. - 05.11.2017 Manufactum Dortmund, Museum für Kunst und Kulturgeschichte (nominiert für den Staatpreis NRW). Vom 04.08. - 15.10.2017 „Naturliebe, erneuerbare Haltung“ Schwerpunktausstellung, Künstlerverein Walkmühle, Wiesbaden. Vom 21.10. - 26.11.2017 "Kunst in der Region" Gemeinschaftsausstellung, DA Kunsthaus Kloster Gravenhorst.

Ihr Werkstattatelier betreibt Frau Wellmeier in Tecklenburg-Brochterbeck an der Horstmersch 5. Es ist für Besucher geöffnet Donnerstags und Freitag von 9.30 Uhr bis 11.30 Uhr und von 15.30 Uhr bis 17.30 Uhr. Der Workshop mit Frau Wellmeier findet statt am Sonntag den 10.9.2017 von 10 bis 15 Uhr. Anmeldungen sind noch möglich unter kuenstlerdorf@schultenhof-mettingen.de.

 

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