Zeitungsbericht in der IVZ vom 24.3.2015 - Dietlind Ellerich  Fotos: Karl Dorenkamp

 

Rasanter Teufel mit den drei goldenen Haaren

Mit einem furiosen Spektakel begeisterte am Sonntag eine gute alte Bekannte die Gäste des Fördervereins Mettinger Schultenhof. Barbara Kratz gestaltete den Kultur-Teil des Kulturfrühstücks, das auch in diesem Frühjahr wieder komplett ausverkauft war.

Nicht nur im Tüöttendorf steht die Schauspielerin für hochkarätige One-Woman-Shows, in denen sie mit wenigen Requisiten, Kostümen und Kulissen, aber unglaublich viel Fantasie, Kreativität, Tempo und Spielfreude ein riesiges Ensemble auf die Bühne bringt. Eine gute Stunde lang fesselte sie ihr Publikum mit einer rasanten Inszenierung des Grimmschen Märchens „Vom Teufel mit den drei goldenen Haaren“ nach einer Bühnenbearbeitung von Karl Friedrich Waechter.

Die Darstellung von Kröte, Maus und 26 Personen mit ebenso vielen Sprachen, Sozio- und Dialekten gelingt dem Energiebündel Kratz in einem Kraftakt, der doch unglaublich leicht daherkommt. Ob König, Königin oder Königstochter, Grafen oder Fürsten, Bauersknecht oder Magd, Prälat oder Minister, Räuber oder Fährmann, Teufel oder Großmutter, Männer oder Frauen, in Windeseile schlüpft Barbara Kratz von einer in die nächste Rolle. Sie glänzt in Szenen am Boden ebenso wie in luftiger Höhe und entlockt mit viel akrobatischem Geschick dem großen Gong sämtliche Klangfacetten.

 

Dass sie während dieses wilden Parforceritts auch der drei Haare des Teufels habhaft wird, die der Bauersknecht braucht, um nicht nur die Königstochter, sondern das ganze Königreich zu bekommen, versteht sich von selbst. Auch vor der aktuellen Schulsituation des Tüöttendorfs macht Kratz nicht halt. Er habe die Grundschule in Mettingen besucht, ließ sie den Bauersknecht mitteilen, während er versucht, einen Brief zu entziffern. „Damals gab es noch drei davon“, erinnerte sich der junge Bursche und nahm vor Schließung der Wahllokale das Ergebnis des Bürgerentscheids vorweg.

Nicht enden wollender Applaus und Standing Ovations für eine begnadete, höchst sympathische und rechtschaffen erschöpfte Schauspielerin, für eine tolle Inszenierung und für den Vorstand des Fördervereins Schultenhof, dem es erneut gelungen war, Barbara Kratz zu verpflichten. „Da geht noch was“, macht ein Blick in deren Repertoire deutlich.

Auch das Buffet, an dem im Frühstücks-Teil des Kulturfrühstücks die Menschen Schlange standen, konnte sich wieder sehen lassen. Grund genug für das Publikum, auch dem rührigen Küchenteam, das die Leckereien gekocht, gebacken und angerichtet hatte, mit einem kräftigen Applaus zu danken.