Kulturnacht: Weiße Gesichter begeistern lautlos - Bericht in der IVZ vom 6.6.2016 - Claudia Keller

Ob Lesungen, viel Musik, Tanz oder Theater - die Mettinger Kulturnacht hatte am Samstagabend ein vielfältiges Programm zu bieten.
Zahleiche Gäste konnte der Förderverein Mettinger Schultenhof dazu begrüßen.

 

 

Video vom Auftritt des Comenius-Kollegs

METTINGEN. 13 weiße Gesichter, 26 aktive Hände, eine orange Möhre und eine verdutzte Barbara Brüning haben am frühen Samstagabend die Mettinger Kulturnacht eröffnet. Darauf war die Vorsitzende des Fördervereins Mettinger Schultenhof nicht eingestellt: Plötzlich war sie ein Teil der Inszenierung der Pantomime-Gruppe auf dem Schultenhof. „Ich dachte, ich bekomme die Möhre, aber jetzt stehe ich mitten drin“, sagte Brüning und begrüßte die zahlreichen Gäste auf dem Mettinger Urhof.

Aus Anlass des 20-jährigen Bestehens des Fördervereins Mettinger Schultenhof organisierte der Verein, nach 2008, zum zweiten Mal eine Kulturnacht. Plakate und ein Film im Haupthaus gaben einen Rückblick auf die zwei Jahrzehnte, in denen der Förderverein viel bewegt hat. „Damals war die Restaurierung des Schultenhofes abgeschlossen, und wir wurden beauftragt den Schultenhof mit Leben zu füllen“, erinnerte sich Brüning.

Die ganze Bandbreite des kulturellen Wirkens zeigte sich bei der Kulturnacht an wechselnden Schauplätzen. Dabei hatten die Organisatoren in erster Linie Mettinger Bürger gefragt, sich daran zu beteiligen. „Das ist unser Konzept. Wir wollen in der Scheune, im Speicher und im Haupthaus Kulturarbeit machen, mit Jung und Alt für Jung und Alt“, erklärte die Vorsitzende.

In drei Einheiten hatte der Osnabrücker Pantomime Manfred Pomorin mit neun Kindern, darunter drei Schüler aus Syrien und drei Erwachsenen, die Grundtechniken der Pantomime wie etwa die „Wand“ oder das „Seil“ eingeübt. Dann folgte ein aufführungsreifes Bühnenprogramm. Großen Beifall gab es für das köstliche, lautlose Spiel der Mienen und Hände. Fast zeitgleich begeisterten die Tanzformation der Kunstturnschule Mettingen (KTS) die „Minis“ und die „Dancers“ unter der Leitung von Ruth Klaschka mit der „Zuckerfee“ und der „Annenpolka“. Für heiße Rhythmen sorgte die Tanz-AG des Comenius-Kollegs auf dem alten Rathausplatz. Zwischendurch spielte die Silvesterband.

Die zwölf Kinder, die im Rahmen des Mettinger Kulturrucksacks ganz schön was auf dem Zauberkasten hatten, begeisterten das Publikum auf der Schultenhof-Bühne. Auf magische und humorvolle Art nahm der Münsteraner Künstler Marcello Lang die Gäste mit in die geheimnisvolle Welt der Zauberei und jagte von einem zum anderen magischen Höhepunkt.

In der Evangelischen Kirche, im Fleet, im Speicher, im Schulmuseum und an der Wohnbar erlebte das Publikum einen bunten Querschnitt des Kulturlebens. Schnurrige Märchen, Prosa und Texte, Orgel und Saxofon, „Expedition Blumenwiese“, „Unterricht zu Kaisers Zeiten“ sowie Klavier und Violine gab es wechselweise an den unterschiedlichsten Orten. Kaffeekannen, Tassen und Kuchen der besonderen Art gab es beim Bodypainting mit Gesine Marwedel vor der Wohnbar.

Dank der milden Sommernacht tummelten sich die Gäste auf dem Schultenhofgelände und genossen die hiesigen Köstlichkeiten. „Wenn sich ein Schmetterling auf einen Pinguin setzt, passiert nichts, aber wenn ein Pinguin...“. Dieser Satz aus dem Theaterstück von Ulrich Hub „An der Arche um 8“, aufgeführt von der Theaterwerkstatt Rabatz spielte in der Scheune eine Rolle. Dabei fragten sich die Zuschauer schon das eine oder andere Mal: „Sieht Gott alles?“ Zum Abschluss gab es Live-Musik von der Silvesterband. Das Motto: „Schwoof auf dem Hof“

 Förderverein plant große Kulturnacht

Der Mettinger Schultenhof mit seinen Gebäuden Haupthaus, Scheune und Speicher besteht seit 1998 als kultureller Mittelpunkt des Dorfes. Seit dieser Zeit besteht auch der Förderverein Schultenhof. Um das gebührend zu feiern, lädt der Förderverein laut Pressemitteilung alle Mettinger, Freunde und treue Besucher zu einer Neuauflage der Kulturnacht am Samstag, 4. Juni, ein.

Die letzte Kulturnacht war im Jahr 2008, als die zehnjährige Renovierung des Schultenhofes mit seinen verschiedenen Gebäudeteilen und seine damalige Eröffnung als kulturelles Zentrum für die Gemeinde gefeiert wurde.

Die aktuelle Kulturnacht lebt von regionalen kulturellen Köstlichkeiten ebenso wie vom schönen Ambiente des Hofes. Ob jung oder etwas älter oder noch älter, für jeden Geschmack ist laut Förderverein das Richtige dabei. Die einzelnen Darbietungen seien kurz genug, um viele Aufführungen erleben zu können. Neben dem Schultenhof werden der alte Rathausplatz und die evangelische Kirche mit buntem Leben erfüllt. So sind die Laufwege zwischen den Veranstaltungsorten leicht zu bewältigen und bieten Gelegenheit, um über das Erlebte kurz zu reflektieren, bis die nächsten Eindrücke folgen.

Schon die Vorbereitungen auf die Kulturnacht sind spannend, teilt der Förderverein mit: Der Osnabrücker Pantomime Manfred Pomorin übt mit Mettinger Kindern im Rahmen des Kulturrucksackes an drei Nachmittagen für eine Aufführung. Die KTS-Minis und die KTS-Dancers aus Mettingen sind mit einer Tanzaufführung vertreten. Internationales Flair bringt das Commenius Kolleg mit seiner Tanz AG. Ein Zauberer tritt mit Mettinger Kindern auf. Es gibt Theater der Rabatz-Theaterwerkstatt in der Scheune, Märchen werden erzählt, und es sind verschiedene Lesungen geplant. Die Touristinfo Mettingen veranstaltet im Schulmuseum einen Unterricht zu Kaisers Zeiten. Bilderwelten bieten der Fotoclub Mettingen und auch der Förderverein mit einem Rückblick über 20 Jahre auf dem Schultenhof.

Besonders inspirierende Bilder finden sich laut Förderverein in der Wohnbar, in der Gesine Marwedel ihre Körperkunst (Bodypainting) präsentiert. Auch die Musik kommt nicht zu kurz: Klassik bis Pop wird in der evangelischen Kirche geboten, ein klassisches Konzert ist im Speicher zu genießen. Friedenslieder werden erklingen und natürlich wird auch die Abschluss-Party in der Scheune mit Live-Musik bespielt; „Schwoof auf dem Hof“, lautet das Motto!

Für die Verpflegung ist vor Ort und in der Mettinger Gastronomie bestens gesorgt. Das „kulturelle Buffet“ wird um 17 Uhr vor dem Haupthaus offiziell eröffnet.

Für Kinder bis 14 J. ist der Eintritt frei. Ein Eintrittsbändchen für alle Veranstaltungen kostet fünf Euro und wird direkt vor Ort verkauft.