Literatur in leeren Läden -  IVZ vom 20.11.2013 (Dietlind Ellerich)

Dass man leeren Ladenlokalen auch etwas Positives abgewinnen kann, erlebten nun zahlreiche Kulturfreunde im Ortskern. Im Rahmen der LiteraTour 2013 wurden drei Leerstände zu Bühnen umfunktioniert.

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Foto: IVZ
Die „Barocker“ interagierten mit Ricarda Cronemeyer, die das „Kluge Gretel“ gab.

METTINGEN. Leerstände sind Kommunen stets ein Dorn im Auge. Dass man leeren Ladenlokalen etwas Positives abgewinnen kann, erlebten am Sonntagabend zahlreiche Kulturfreunde im Ortskern. Auf Einladung des Fördervereins Mettinger Schultenhof, der im Rahmen der „LiteraTour 2013“ drei Leerstände zu Bühnen umfunktioniert hatte, schlenderten die Frauen und Männer in drei Gruppen von einem Literaturereignis zum nächsten.

„Da ist es sehr schön“, schwärmten die einen, als sie anderen Teilnehmern auf ihrer Tour vom Schultenhof über den Mühlenteich zum Terrassenhaus begegneten. „Da auch“, konterte die zweite Gruppe. Und so unterschiedlich die musikalischen und literarischen Begegnungen in leeren Räumen mit kahlen Wänden und enormem akustischen Potenzial waren, sie hatten alle ihren Reiz. Den Auftakt übernahm in Speakers’ Corner-Manier Peter Hole aus Ibbenbüren, der auf einem Holzbänkchen vor dem Tor der Diele auf dem Schultenhof mit großer Geste den „Prometheus“ von Goethe rezitierte.

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Im neuesten Mettinger Leerstand, dem Heuerhaus, gab Ricarda Cronemeyer das „Kluge Gretel“ nach dem gleichnamigen, relativ unbekannten Grimm’schen Märchen und vor einer von der Laggenbecker Künstlerin gemalten Kulisse. Mit ihr in Interaktion standen die „Ba-Rocker“ mit drei Trompetern, einer Waldhornistin, einem Posaunisten und zwei Tubisten sowie Landgraf Moritz von Hessen-Kassel als Arbeitgeber der Köchin Gretel, die mit einem Augenzwinkern ihr Alkoholproblem in den Griff bekommt.

Bevor die Literaturliebhaber zum nächsten Leerstand an der Mühlenstraße flanierten, erzählte Cronemeyer das griechische Märchen von der „Wirkung des Weins“, der mit steigendem Pegel die Konsumenten zu singenden Vögeln, starken Löwen und dummen Eseln werden lässt.

Im früheren Ladenlokal Wulfekammer respektive Bosse nervte „Der lästige Anrufer“ von Herbert Rosendorfer auf höchst amüsante Weise und zur Freude des Publikums Theresia Oberpollinger alias Ingeborg Grau und Carsten Rust während ihrer Probenarbeit zum Georg-Kreisler-Programm.

Von der „verkorksten Koksparty“ las Ulrich Müller-Etzbach im Terrassenhaus aus „Egon Loesers erstaunlicher Mechanismus zur beinahe augenblicklichen Beförderung eines Menschen von Ort zu Ort“ des jungen englischen Autors Ned Beauman. Den jazzigen Rahmen dazu bildete der Mettinger Saxofonist Johannes Mäurer. „Kommt Brecht noch?“ oder „Gibt es denn hier einen Korkenzieher?“, fragten sich die nach und nach im Kunstspeicher eintrudelnden Teilnehmer in Anlehnung an Müller-Etzbachs Lesung.

Bei einem Glas Wein ließen die Kulturfreunde die Leerstand-Tour ausklingen und die verschiedenen Literatur-Events Revue passieren.

 

 

LiteraTour 2013 - Belebung des Mettinger Leerstandes - Eigenbericht

 

Hannelore Hoger, Martin Sonneborn und Thomas Gsella heißen die Zugpferde der großen Lesungswoche in Mettingen. Bei der „LiteraTour 2013“ des Fördervereins Schultenhof treten aber nicht nur namhafte Rezitatoren im Haupthaus oder im Bürgerzenturm auf. Der Förderverein Mettinger Schultenhof setzt auch auf  lokale Talente. Diese beleben mit ihren Darbietungen am 17. November analog zur Kunst im Leerstand leerstehende Geschäftsräume in Mettingen. In diesen werden den Besuchergruppen so manche musikalische und literarische Überraschung geboten.

Los geht es um 18.00 Uhr am Schultenhof mit einer literarischen „Speakers‘ Corner“.. Nach einer Rezitation des Goetheschen "Prometheus" durch den Ibbenbürener Peter Hole werden die Besucher in bunt zusammengesetzten Gruppen in drei verschiedene Leerstände (leider gibt es eine größere Auswahl) an die Landrat-Schultz-Straße geführt, um dort z.B. Ausschnitte aus Ned Beaumanns Roman "Egon Loesers erstaunlicher Mechanismus zur beinahe augenblicklichen Beförderung eines Menschen von Ort zu Ort"  -vorgelesen von Ulrich Müller-Etzbach - zu hören. Egon Loeser ist nah dran am Lo(e)ser. Er ist nämlich beinahe nur ein Künstler und auch nur beinahe ein Frauenheld im Berlin der frühen 30er Jahre. So hetzt er dann von einer Koksparty zur anderen, aber die schönen Mädchen kriegen immer die anderen ab – nicht zuletzt Brecht, dessen Name er schon nicht mehr hören kann…

Weitere Akteure im Rahmen der Literatur im Leerstand sind Ingeborg Grau und Ricarda Cronemeyer. Enden wird der Abend am Schultenhof mit der Möglichkeit sich über das Gesehene/ Gehörte in gemütlicher Runde auszutauschen.

Karten sind für 10 € erhältlich bei Zeitschriften Gerbus: 05452-973017; Buchhandlung Volk Recke: 05453-7275 und im Tourismusbüro Mettingen: 05452-5213