Open Stage Literatur & Lyrik & Sonstiges

Open Stage: Publikum belohnt mutige Künstler IVZ 15.11.2013 (Eugen Eiden)

Es gehört schon etwas dazu, sich mit neun Jahren vor ein 80-köpfiges Publikum zu stellen und selbst verfasste Gedichte vorzutragen. Ronja Knapheide tat genau dies. Mit der „Open Stage"-Veranstaltung soll das kulturelle Angebot in Mettingen erweitert und Besucher in den Schultenhof gelockt werden.

METTINGEN. Mut hat sie. Es gehört schon etwas dazu, sich mit neun Jahren vor ein 80-köpfiges Publikum zu stellen und selbst verfasste Herbstgedichte vorzutragen. Ronja Knapheide tat dies bei der „Open Stage“-Veranstaltung des Fördervereins im Haupthaus des Schultenhofs. Mit dem ungewöhnlichen Kulturformat „Open Stage“, das in dieser Form dort zum ersten Mal war und in die Reihe „LiteraTour“ eingebettet ist, will der Förderverein Schultenhof das kulturelle Angebot in Mettingen erweitern und Besucher in den Schultenhof locken.

Bei der Veranstaltungsform der Offenen Bühne kann jeder mitmachen, der einmal in Form eines Kurzauftritts Bühnenluft schnuppern will. Damit ist sie die ideale Einstiegsmöglichkeit für Talente. „Alte Hasen“ können mit weniger Risiko als andernorts Neues ausprobieren, und das Publikum erlebt immer wieder Überraschendes.

So auch am Mittwochabend, als die Zuschauer den je zehnminütigen Kurzauftritten folgten. Die Moderation hatte Ulrich Müller-Etzbach übernommen. Die Palette reichte vom Vortrag selbst verfasster Gedichte über professionell vorgetragene Chansons bis hin zu gefälligem Pianospiel. Mehrfach bei den Auftritten vertreten waren Mitglieder des Theaters Rabatz aus Ibbenbüren. Leiter Robert Rickert führt dort junge Leute ans Schauspielen heran.

Die Zuschauer bekamen einiges geboten: Wann kann man an einem Abend „großes, altes Theater“ mit Antigone, Chansons von Zarah Leander und jiddische Volksmusik, begleitet von einem Akkordeon, erleben. Dass man beim Küssen zur Schwangerschaftsprävention Präservative über den Kopf ziehen sollte oder die Ansichten eines psychisch gestörten Jungen hautnah erlebt, ist für die Zuschauer auch neu.

Vom Bauernhof scheint Marleen Knüppe zu kommen. Sie verkörperte eine Kuh, die ein „Schwein zur Sau“ macht und dem verfressenen Hofhund die Leviten liest. Weitere Themen des unterhaltsamen Abends waren die bedrückende szenische Darstellung einer ungewollten Schwangerschaft eines jungen Mädchens, der vierhändige Pianoauftritt von Christin Schmidt und Alina Bok, die erst seit Kurzem zusammen spielen und viel Applaus einheimsten.

Es gab auch Premieren: Rebecca Schulze mit ihrer Kurzgeschichte „In mir die Dunkelheit“ und von Thomas Michael Hartmann, der an einer längeren Erzählung mit dem Titel „Der Visse“ schreibt: „Wussten Sie, dass der Durchschnittsbürger am Tag 16 000 Wörter spricht?“ In unserer Region schaffen viele Menschen nur die Hälfte. Ignaz Visse schafft noch viel weniger. „Der redet nicht.“ Auf die Veröffentlichung darf man gespannt sein.

Das sehr gemischte Publikum nahm die Darbietungen positiv auf und honorierte mit Applaus.