Die Revolution jetzt auch in Mettingen

Martin Sonneborn im Bürgerzentrum

Krawall und Satire in „Dings“ (IVZ vom 22.11.2013 Brigitte Striehn)

Satiriker Martin Sonneborn zu Gast in „Dings“: Mit seinem Programm „Krawall und Satire“ unternahm er im Schultenhof den Versuch, die Einwohner „in diesem verkommenen Landstrich“ parteipolitisch auf den neuesten Stand zu bringen. Das Publikum war begeistert.

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Foto: Brigitte Striehn
Martin Sonneborn und das Satiremagazin „Titanic“ sind ein gutes Gespann. Die Zuschauer im Mettinger Schultenhof waren begeistert.

METTINGEN. Populistische Aktionen in den Medien haben „Die Partei“ im September aus dem Stand auf die Wahlzettel katapultiert. „Wir haben uns völlig von Inhalten verabschiedet“, skizziert Parteigründer Martin Sonneborn eine Forderung aus dem Wahlkampf. Stattdessen war auf Plakaten „Das Bier entscheidet“ oder „Bla bla bla“ zu lesen. Das verstehen die Wähler, findet der Parteivorstand. Die Forderung nach Wiederaufbau der Mauer ist an „Nähe zum Volk“ nicht zu übertreffen.

Der Satiriker Martin Sonneborn ist nicht nur in den Metropolen des Landes bekannt. Das merkten die Organisatoren der „LiteraTour“ in Mettingen am Mittwochabend. Sie mussten reihenweise Stühle heranschleppen. Mehr als 100 Besucher strömten in den Schultenhof. Sonneborn kam gut gelaunt auf die Bühne und begrüßte freundlich die Zuschauer in „Dings“. Anschließend unternahm er mit seinem Programm „Krawall und Satire“ den Versuch, die Einwohner „in diesem verkommenen Landstrich“ parteipolitisch auf den neuesten Stand zu bringen. „Sie werden nicht alles verstehen“, das ist so im ländlichen Raum“, übte er sich in milder Publikumsbeschimpfung.

Die Mettinger nahmen es nicht krumm und amüsierten sich über die Reise durch eine politische Landschaft, die Sonneborn mit der Gründung der „Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative“ gründlich aufgemischt hat. Das Satire-Projekt „Die Partei“ war zur Bundestagswahl 2013 zugelassen und hat 0,2 Prozent der Stimmen bekommen. Michael Wesselmann ist schon „drin“ und wird wohl demnächst mit einem engagierten Wahlkampf für eine Verbesserung des Ergebnisses sorgen.

Andere Besucher wollen es sich durch den Kopf gehen lassen. Die Region darf gespannt sein. „Wir könnten einen Ortsverein in Tecklenburg gründen“, überlegten Lukas Tenambergen, Sven Tegeler und Sven Brinkering. Der frühere Chefredakteur der „Titanic“ ließ die Zuhörer an seinem Werdegang teilhaben. Warum seine Bewerbung als Bundespräsident nicht erfolgreich war, versteht er bis heute nicht. „Wie mein Vorgänger komme ich aus Osnabrück, bin ein politisch blasser Typ mit absolutem Willen zur Macht, habe die falschen Freunde und lasse mir gerne Getränke ausgeben.

Warum also nicht ich?“, haderte er mit seinem Schicksal. Dabei legte Sonneborn Wert darauf, als ernsthafter Parteipolitiker wahrgenommen zu werden und nicht als Witzbold. In der Pause verzichtete er auf eine Auszeit und beantwortete stattdessen Fragen seines geneigten Publikums. Den Redakteuren der Schülerzeitschrift des Kardinal-von-Galen-Gymnasiums gab er ein ausführliches Interview.

Mit Filmeinspielungen unterhielt der Comedy-Künstler und Moderator der Sendung „Sonneborn rettet die Welt“ die Zuschauer. Süffisant lächelnd entlarvte er Politiker wie Wirtschaftsunternehmen, die über die Aktionen „not amused“ waren, wie Reaktionen in den Medien zeigten. Das Vergnügen war jedoch ganz aufseiten der Mettinger. „Das war klasse“, fanden sie. Nun sind sie gespannt, wann Sonneborn mit dem Bau der U-Bahn beginnt. Das wäre eine gute Alternative zu „keine Bahn“, versprach er. Es gab viel Beifall, der mit zwei Zugaben belohnt wurde.