Werkstatt für Photographie zeigt Ausstellung im Kunstspeicher

Bergbaudetails in neuem Licht

Dieter Blase (v.l.), Jörg Lehmkühler, Georg Niklasch, Marc Sestrup, Richard Korff sowie vier weitere Fotografen haben die aktuelle Ausstellung „Mythos im Wandel“ als Gemeinschaftsprojekt mit dem Förderverein Mettinger Schultenhof konzipiert. Foto: Dietlind Ellerich

-del- METTINGEN. „Die Fotografie ist ein Hilfsmittel zur Auseinandersetzung mit Dingen, von denen jeder weiß, ohne sich damit zu befassen.“ Diesen Ansatz des US-amerikanischen Fotografen Emmet Gowin verfolgen auch Fotograf Jörg Lehmkühler und seine acht Kollegen aus der „Werkstatt für Photographie“.

„Mythos im Wandel“ heißt die Ausstellung, die die neun Fotografen jetzt unter dem Dach des Fördervereins Mettinger Schultenhof zusammengestellt haben. Im dritten Gemeinschaftsprojekt von Verein und Werkstatt nach der Schau zu Gedenkorten des Ersten Weltkriegs unter dem Titel „GeDenkorte 2014-2015“, die vor vier Jahren im Kunstspeicher zu sehen war, und der Fotoausstellung zum Thema „Braunkohle-Tagebau“ im vergangenen Jahr drehen sich die aktuellen Werkserien um den Steinkohlebergbau, der 250 Jahre lang nicht nur die Region bestimmt hat und Ende 2018 endgültig Geschichte wurde.

„Schicht im Schacht“ war für die Fotografen Christian Becker, Dieter Blase, Bernd Kappenberg, Richard Klumpp, Richard Korff, Jörg Lehmkühler, Frank Lemken, Georg Niklasch und Marc Sestrup Anlass genug, hinter die Kulissen zu schauen und das eine oder andere Detail in ein neues Licht zu rücken.

„Das nicht Offensichtliche erhält in der einfühlsamen, sachlich fotografisch analysierten Darstellung eine eigene Schönheit“, beschreiben die Fotografen die Auswahl ihrer Motive und deren Inszenierung. Da geht es nicht nur um Zechenbahnen und Fördertreibscheiben, sondern auch um Fördergerüste und ehemalige Zechensiedlungen und nicht zuletzt um den Strukturwandel und seine Folgen.

Die technische Entwicklung über viele Jahrzehnte wird ebenfalls dokumentiert. So erinnert Dieter Blase in Wort und Bild an die erste elektrische Fördermaschine Europas, die Anfang des 20. Jahrhunderts auf der Dortmunder Zeche Zollern in Anwesenheit des Kaisers Wilhelm II. eingeweiht wurde. Wenige Fotos daneben eine halbautomatische Förderscheibe, wie sie auf der Essener Zeche Zollverein bis zu deren Schließung 1986 im Einsatz war. Dazwischen das Bild einer Treibscheibe, wie sie im Jahr 1954 auf dem Mettinger Nordschacht verwendet wurde.

Die neun Fotografen waren nicht nur viel unterwegs, um ihre Motive aufzuspüren und festzuhalten, sondern haben sich auch intensiv miteinander ausgetauscht, um die Fotografien zu schlüssigen Serien zusammenzustellen. „Wir wollten überzeugende Ergebnisse, unter denen die Betrachter sich etwas vorstellen können“, macht Dieter Blase deutlich.

 

Werkstatt für Photographie präsentiert Bilder vom Bergbau

Auf den Spuren der Stilllegung

Mit den Bildern von der Nachnutzung von Zechengeländen des ehemaligen Steinkohlebergbaus, wie hier von der Essener Zeche Zollverein, begeben sich die Mitglieder der Werkstatt für Photografie auf die Spuren der Stilllegung.

METTINGEN. Der Förderverein Mettinger Schultenhof bietet ab kommenden Freitag, 28. Juni, wieder eine Fotoausstellung im Kunstspeicher an. Die Ausstellung mit dem Titel „Mythos im Wandel – 250 Jahre Steinkohlebergbau“ von der Werkstatt für Photographie zeigt einen Ausschnitt aus der mehr als 30-jährigen Auseinandersetzung mit dem Ende des Steinkohlebergbaus. Das teilt der Förderverein in einer Presse-Information mit.

Durch die im vergangenen Jahr angeschaffte Galeriebeleuchtung könne der Förderverein die Exponate noch besser „ins richtige Licht setzen“, heißt es in der Mitteilung weiter. Die Werkstatt für Photographie ist eine Gruppe von engagierten Amateuren und künstlerischen Fotografen. Bereits im vergangenen Jahr war die Werkstatt mit einer Ausstellung im Tüöttendorf vertreten. Seinerzeit haben sich die Mitglieder mit dem Thema „Braunkohle“ beschäftigt.

Diesmal thematisieren die Fotografen mit ihren Motiven die Spuren der Stilllegung des Steinkohlebergbaus, die Zwischentöne und die versteckten Details des Strukturwandels. Sie zeigen die, aus heutiger Sicht, Ästhetisierung des Alltaglebens, den Umgang mit dem Erbe dieses Industriezweiges. Sei es durch Rückbau oder Neunutzung, und die Veränderung des Alltagsumfelds der Menschen. Es geht um Brüche und Gegensätze. Die Grenzen von Wirklichkeit, Wahrnehmung und Einbildung sind flüchtig und oft nicht klar zu fassen. Dem Betrachter stelle sich häufig die Frage nach seiner eigenen realen Wahrnehmung und seiner Imagination.

Die Fotoausstellung „Mythos im Wandel – 250 Jahre Steinkohlebergbau“ im Mettinger Kunstspeicher auf dem Schultenhof dauert bis Sonntag, 11. August. Die offizielle Eröffnung ist am Freitag, 28. Juni, um 20 Uhr. Die Ausstellung ist jeweils samstags und sonntags 15 bis 18 Uhr geöffnet.